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Legale Prostitution ist kein Merkmal von Liberalität

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Lea Ackermann ist die Gründerin der Stiftung Solidarity with Women in Distress, kurz Solwodi  – Solidarität mit Frauen in Not. Sie ist Ordensfrau des katholischen Ordens der Weißen Schwestern. Dr. Lea Ackermann gilt als streitbare Schwester. Über acht Jahre lang hat sie in afrikanischen Ländern, vor allem in Ruanda und Kenia, Prostituierten geholfen und ging auch schon mal selbst ins Bordell, um mit betroffenen Frauen in Kontakt zu kommen. 1985 gründet sie in Mombasa die Stiftung.

Die Stiftung engagiert sich in Deutschland in der Hilfe für Prostituierte und im Kampf gegen Prostitution. Wie die Leiterin von Solwodi in Osnabrück, Martina Niermann, betont, sei Prostitution selten freiwillig, täusche ein Recht auf sexuelle Freiheit vor und habe oft mit Gewalt zu tun: Über 80 % der Prostituierten erlebten psychische und physische Gewalt. „Seit der Legalisierung von Prostitution im Jahr 2002 hat sich Deutschland zum Bordell Europas entwickelt.“ Anders als in der Bundesrepublik sei der Sexkauf in Frankreich, Kanada, Irland und nordischen Ländern verboten, ohne die Tätigkeit der Prostituierten zu kriminalisieren. „Legale Prostitution ist kein Kennzeichen von Liberalität, sondern steigere den Profit für Bordellbetreiber und Zuhälter auf Kosten der Frauen, fördere Menschenhandel und Ausbeutung,“ so ihre Ausführung.

Es wird für die Einführung des „Nordischen Modells“ im Bereich der Prostitution geworben. Dieses legt den Fokus auf die Nachfrageseite: Während der Sexkauf und die Förderung von Prostitution in jeglicher Form strafbar ist, ist die Anwerbung für sexuelle Handlungen gegen Bezahlung kein Straftatbestand. Die in der Prostitution arbeitenden Frauen bleiben damit straffrei. Daneben gehören zu dem ganzheitlichen Ansatz Bildungsangebote, Aufklärungskampagnen und die Bewusstseinsbildung an Schulen. „Eine Evaluationen in Norwegen und Schweden belegen einen Rückgang der Prostitution und des Menschenhandels um ein Drittel bis zu 50 Prozent.“

Die Stiftung baut Beratungs- und Anlaufstellen für Prostituierte auf. Mittlerweile arbeiten in dem Verein 34 MitarbeiterInnen in sieben Zentren in Deutschland. Sie kümmern sich um Frauen aus Afrika, Asien, Südamerika und Osteuropa, die durch Menschenhandel oder Zwangsprostitution nach Deutschland gekommen sind. Die Hife zur Selbsthilfe ist das Ziel. Es geht darum, ihnen eine Perspektive und Starthilfe für ein Leben zu geben und sie medizinisch, psychologisch und juristisch zu betreuen.


Solwodi kann Betroffene zunächst in einer Schutzwohnung unterbringen und gibt ihnen die Möglichkeit, einen Sprachkurs zu machen. Im Idealfall fassen Frauen Vertrauen und sagen als Zeuginnen im Prozess gegen Menschenhändler aus. Viele jedoch sind derart traumatisiert, dass sie dazu nicht in der Lage sind. Lea Ackermann engagiert sich weiterhin mit 82 Jahren. Auch in der eigenen Kirche plädiert sie dafür, dass Frauen die selben Möglichkeiten haben. Anstelle von “Austreten” will sie gegenüber der Männerkirche “Auftreten”.

 

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