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Sicherheitsstörung mit einem Entenküken im Knast

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Im Alltag des Justizvollzuges ereignen sich oft Vorkommnisse, die als Sicherheitsstörung schriftlich gemeldet werden müssen. Im vorliegenden Fall waren es aber keine Gefangenen, die ihre Konflikte schlagfertig zu lösen versuchten. Die Entenfamilie kam in Bedrängnis, weil eines der Küken in ein Erdloch gefallen ist. Der Knast beherbergt zurzeit zwei Entenfamilien, die munter von Hof zu Hof herumspazieren, als gäbe es keine Mauern und Zäune.

Am 2. Juli 2020 gegen 7:00 Uhr fiel dem Unterzeichner und den Bediensteten G., V. und R. eine Entenmutter mit ihren Küken auf Hof 4 auf. Eine Zählung ihrer Nachkommen deutete auf den erneuten Verlust eines ihrer Schutzbefohlenen hin. Es konnten nur noch drei kleine Entenküken ausgemacht werden, obwohl eine bereits im Vorfeld standgefundene Zählung gegen 6:30 Uhr noch 4 Entenküken ergab.

Sofort wurde eine weitreichende Fahndung eingeleitet. Eine Kontrolle von Hof 4 wurde durchgeführt. Da sich die übrige Entenfamilie bereit vom Hof 4 entfernt hatte, konnte durch den Unterzeichner ein „Fipsen“ am Begrenzungszaun des F-Flügels ausgemacht werden. Eine Sichtkontrolle ergab die Erkenntnis, dass sich im Grünstreifen an der F-Seite, unmittelbar an einem Bodenstrahler ein Loch im Erdreich befand, aus dem das besagte „Fipsen“ zu orten war. Unvermittelt wurde das Erdloch inspiziert und mittels Taschenlampe ausgeleuchtet. Ein Entenküken war jedoch nicht mehr zu sehen.

Ich kontaktierte daraufhin den ehemaligen Oberfeldwebel a.D. und ausgebildeten ABC SE Soldaten und jetzigen Bediensteten S., der Erfahrung im Bereich solcher Rettung hat. Erneut begaben wir uns zu der Unglücksstelle um unser taktisches Vorgehen zu besprechen. Zum Erstaunen mussten wir nun feststellen, dass das verlorene Entenküken anscheinend Vertrauen in unsere Tätigkeit geschöpft hat und bereits wartend am Grunde des Loches saß.

Ein, zwei beherzte Griffe durch den Unterzeichner konnten dem Entlein aus der bedrohlichen Lage befreien. Dieses fand jedoch unter großen Protest, der mittlerweile wieder erschienenen Entenmutter statt. In einer mir nicht verständlichen Sprache warf sie uns vermutlich Beleidigungen und Beschimpfungen entgegen. Bedanken klingt anders! Jedoch regte sich ihre Aggression sehr schnell als das verlorene Kind wieder bei ihr war. Das Erdloch wurde mittels zwei Eimern Sand beseitigt um derartige Vorfälle erneut zu verhindern. Ich bedanke mich vielmals bei den beteiligten Bediensteten für ihre Unterstützung bei dieser Aktion.

Letztes Jahr musste die Feuerwehr anrücken, als sich ein Enterich im Sicherheitszaun verfangen hat. Er hat wohl nicht mit den Begrenzungen im Vollzug gerechnet. Sehr zum Jubel der Gefangenen an den Haftraumfenstern wurde dieser befreit. Die Gefangenen waren es, die auf die männliche Ente aufmerksam gemacht haben. Die Inhaftierten und Bediensteten haben sich quasi gleichermaßen um die Ente gesorgt. Allerdings war der Erpel so schwer verletzt, dass er nicht mehr gerettet werden konnte. „Erpel“ stammt ursprünglich aus dem Flämischen und bedeutet „von dunkler Farbe“, womit der Enterich nach seiner Federfarbe benannt wurde.

 

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