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Rap-Songs sind Musik, Gestik, Text und Sprache

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Die Geschichte der Handgesten im HipHop und den Rap-Songs ist vielfältig. Keiner gestikuliert so versiert wie ein Rapper. Das haben zwölf inhaftierte Jugendliche mit Danny Ohler, alias Danny Fresh, in einem zweitägigen Rap-Workshop in der Justizvollzugsanstalt Herford gezeigt. Sprache ist Geschichte, Kultur, Identität; die Geste ist die einfachste Form der Kommunikation. Dazu kommt die Musik.

Kaum ein Musikgenre ist sprachlich so versiert und auf Sprache fokussiert wie Rap. Die Kopfbewegung und die Handgeste bei jedem Sprechgesang ist ähnlich und doch unterschiedlich. Von außen meint man, derjenige, der gerade auf einen Beat rappt, dirigiert sich selbst. Doch zuerst muss ein „Beat“ her, also eine Musik, die den Takt vorgibt. Einer weiß, wie es geht. Der Workshopleiter Danny Ohler studierte an der Popakademie in Mannheim. Im Radio big FM rappt er die tagesaktuellen Nachrichten. Doch die Inhaftierten müssen kein Instrument beherrschen, um solch eine Hintergrundmusik zu produzieren. Ein professionelle Drum Pad Maschine in Verbindung mit einer Software übernimmt die Musikalität zum „Beat bauen“. Das tun die Jugendlichen mit vollem Eifer. Nicht jeder ist einverstanden mit Geigentönen oder einem Chor. Am Ende steht aber ein „Beat“, auf dem alle ihren Text rappen können.

„Super Sache, dass ich meinen Rap am Mikrofon aufnehmen kann“ sagt ein jugendlicher Inhaftierter, der seit drei Jahren in der JVA Herford einsitzt.

Kreisende Handbewegungen

Wie zu einem Thema kommen? Wie schreibe ich Texte? Der 19 jährige Vinzent spricht wenig deutsch, dafür Englisch und Rumänisch. Er hat eine tolle Stimme. Er könnte als Straßenmusikant Karriere machen. Sexistische Wörter oder drogenverherrlichende Haltungen will der Referent Herr Fresh, wie ihn die Jugendlichen nach kurzer Zeit nennen, nicht hören. „Rap kann provozieren“, sagt Herr Ohler, „aber die Gangster-Bilder in so manchen Rapvideos will ich nicht bedienen“, sagt er. Die leeren Blätter sind schnell mit Wörter und Sätzen gefüllt. Manche sind kaum lesbar, grammatikalisch nicht perfekt und doch geben sie die Lebenswirklichkeit und Gedanken wieder.  Der internationale Favorit aller HipHop-Gesten ever ist vermutlich Lil Bs Cooking-Dance. Die kreisende Handbewegung macht sogar der Deutsch-Rapper Danny Fresh. Sie gehört einfach dazu.

Auto-Tune wird es richten

Mit dem Mikrofon will gekonnt umgegangen werden. Jeder der Jugendlichen erhält Applaus, egal wie schräg sein Rap ankommen mag. Der Auto-Tune wird es softwaretechnisch richten. Man kann Effekte einspielen, Versprecher löschen und die Stimme heller werden lassen. Alles scheint möglich. Antares Auto-Tune ist eine Software zur automatischen Tonhöhenkorrektur von Musikaufnahmen. Das macht die Sache erst spannend. Ebenso das Stehen vor dem professionell aufgebauten Mikrofon. Das Textblatt hält dann schon einmal der Kumpel vor die Augen, weil es anderes nicht geht.

Könnte als Deutschstunde durchgehen

„Ich kann von dem, was die Jugendlichen hier rappen, akustisch fast nichts verstehen. Sie sprechen schnell und verschlucken Silben“, sagt die Lehrerin Stephanie Hoh, die das Projekt mit Gefängnisseelsorger Michael King, begleitet. „Das ist aber auch nicht wichtig. Die Hauptsache ist, dass sie sich mit ihren Texten und ihrem Leben beschäftigen“, sagt die erfahrene Deutschlehrerin, die auch Deutsch als Fremdsprache im Knast unterrichtet. Der Rap Workshop ist keine Deutschstunde, obwohl die Inhalte dafür stehen könnten. Das merken die Jugendlichen nicht, weil sie für ihren Part der Aufnahme beschäftigt sind. „Einfach geil, so am Mikrofon zu stehen und später seinen Rap anzuhören“, erzählt Konstantin. Immer wieder bewegt er sich rhythmisch in der Anstaltskirche, als würde er tanzen. „So begeistert ist der“, interpretiert ein Mitgefangener. „Die Musik törnt einen auch an“, sagt ein anderer und wippt mit dem Kopf.

Michael King

 

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