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Winzige Nussschalen-Krippe für die harten Jungs

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Zu Weihnachten gab es dieses Jahr für die Inhaftierten der JVA Frankenthal eine besondere Überraschung. Eine Familie aus der Südpfalz, die anonym bleiben möchte, hat 420 kleine Nussschalen-Krippen an alle Gefangenen über die Gefängnisseelsorge verschenkt. In der Woche vor Weihnachten sind diese Mini-Krippen in einem liebevoll gestalteten Paket an Gefängnisseelsorger Manfred Heitz übergeben worden.

Heitz zeigte sich beeindruckt von diesem ehrenamtlichen Engagement: „So viel Zeit und Liebe aufzubringen, um den Menschen im Gefängnis die Weihnachtsbotschaft nahe zu bringen finde ich atemberaubend. Es ist ein starkes Zeichen der Wertschätzung und der Menschlichkeit.“ An Weihnachten war die Justizvollzugsanstalt Frankenthal in Rheinland-Pfalz nicht voll belegt. So konnte Pastoralreferent Heitz die kleinen Krippen ebenso an Bediensteten schenken, die an dem Tag im Dienst waren.

Die dekorative Minikrippe besteht aus der Form einer Walnusshälfte. Die fein ausgearbeiteten, elfenbeinfarbenen Figuren zeigen Maria und Josef anbetend bei der Krippe mit dem Jesuskind. Im Sprachgebrauch sagt man, dass im Knast “harte Nüsse zu knacken” sind. Die Nussschalen-Krippe braucht es nicht zu mehr knacken. Sie ist klein und wirkt erst einmal zerbrechlich. Die Botschaft, die dahinter steht, ist es nicht. Der Miriam Verlag aus dem baden-württembergischen Jestetten bietet diese Idee an. In der Justizvollzugsanstalt Frankenthal können knapp 500 Männer untergebracht werden. Etwa 40 von Ihnen sind im offenen Vollzug. Zuständig ist die JVA für Freiheitsstrafen bis zu acht Jahren. Die Gefangenen kommen aus den Landgerichtsbezirken Frankenthal, Kaiserslautern und Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz.

Geschenktüten an Gefangene

Unter erschwerten Bedingungen fand dieses Jahr die Sammelaktion für Gefangene in der JVA Frankenthal statt. Nachdem der jährliche Spendenaufruf für Süßigkeiten, Tee, Kaffee und Tabak an die Pfarreien und die Presse versandt war, erreichte Gefängnisseelsorger Manfred Heitz die Entscheidung, dass er aus Sicherheitsgründen nur Geldspenden annehmen darf und auf Sachspenden verzichten muss. Zu dem Zeitpunkt hatten die Pfarrbüros schon die ersten Spenden angenommen. Also musste schnell umgeplant werden. Glücklicherweise wurde genügend Geld gespendet. Die Zahl der Empfänger war um 25% höher als im vergangenen Jahr. Zusammen mit seiner evangelischen Kollegin gab Heitz 151 Geschenktüten an Gefangene aus.

Sachspenden an Bedürftige

„Wegen Corona ist die Zahl der Arbeitsplätze für Gefangene um einiges niedriger“, nennt Heitz einen der Gründe. Dies erhöhe automatisch die Zahl der Inhaftierten, die auf das gesetzlich garantierte Taschengeld von ca. 40 Euro im Monat angewiesen sind. Von diesem Taschengeld muss alles finanziert werden: Einkauf von Genussmitteln, Zeitschriften und Hygieneartikeln, TV-Miete, Stromkosten und das Telefon. Mit den eingegangenen Sachspenden hat Heitz andere soziale Einrichtungen versorgt: Die Obdachlosenunterkunft in Ludwigshafen, das Kinderheim St. Josef in Mundenheim, den Verein „Amalie e.V.“ in Mannheim sowie die Tafeln.

„Ich habe einige Anrufe von Spendern erhalten, die mit Unverständnis auf diese Entscheidung reagiert haben. Manche haben auch gesagt, dass sie die Aktion gerne unterstützt haben, weil sie es viel persönlicher finden, selbst für die Inhaftierten einzukaufen“, erzählt Heitz. Manche haben berichtet, dass sie schon seit 30 Jahren die Gefangenen auf diese Weise unterstützen. Mit ihnen teilen die Gefängnisseelsorger die Hoffnung, dass vielleicht in den Folgejahren eine Rückkehr zur ursprünglichen Sammelaktion möglich ist.

 

 

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