parallax background

Nowhere special: Ein Film voller spiritueller Symbole

23. November 2022
Wenn der Apfel weit vom Stamm fällt… Vielfalt achten
9. November 2022
Aids- und Gefängnisseelsorger: „Der Hohenasperg hat mich viel gelehrt“
2. Dezember 2022

Im Kino „Lagerhalle“ in Osnabrück: Menschen setzen sich verteilt auf die blauen Stühle. Erwartungsvoll blicken sie auf Pierre Stutz, ein spiritueller Autor vieler Bücher. Er steht auf der Bühne mit einem Mikrofon. „Am Ende des Filmes werde ich Ihnen 5 Minuten meine Eindrücke zum Film sagen. Bleiben Sie sitzen, lassen Sie den Abspann und die Bilder auf sich wirken“, so erzählt er. Tatsächlich hat es der Film „Nowhere special“ nicht in die regulären Kinos geschafft. Doch es ist ein Film voller Emotionen. „Sie werden weinen“, sagt Stutz.

Seit er von seiner Freundin sechs Monate nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes verlassen wurde, hat der 34-jährige Fensterputzer John sein Leben völlig auf die Erziehung seines Sohnes ausgerichtet. Er kann ihm jedoch nur ein bescheidenes Leben in Belfast bieten. Als John erfährt, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat, versucht er, eine neue, perfekte Familie für seinen vierjährigen Sohn Michael zu finden.

Franz Kafka schreibt am 23. Oktober 1921 nach einem Kinobesuch in Prag in seinem Tagebuch: „Im Kino gewesen, geweint.“ Ich gehe gerne ins Kino, weil ich dort herzhaft lachen und weinen kann. Emotionen gehören zum Film genauso wie zu einem spirituellen Weg. Es war eine kleine Meldung in der Zeitung Daily Mirror, die den Anstoß zum Film „Nowhere special“ gab: Ein krebskranker Vater, alleinerziehend, der seine letzten Monate der Aufgabe widmet, eine Adoptivfamilie für seinen vierjährigen Sohn zu finden. Der Autor Uberto Pasolini geht diese dramatische Situation im Film nach dieser wahren Begebenheit sehr leise an. Der Film strahlt eine berührende Wärme und Zuneigung aus, ein zärtliches Vaterbild, eine kraftvolle Würdigung des Alltags. Ein Film voller Symbole: Fenster, Blicke, Gitter, Blicke, Luftballon, Trauben, eine 35. Geburtstagskerze, Linien am Boden, Hinaufsteigen auf der Leiter… Alles Symbole, die anklingen lassen, dass unser Leben viel mehr ist, als wir wahrnehmen. Symbole, die uns auf eine Dimension der Ewigkeit hinweisen.

Tränen sind Ausdruck der Stärke

Ein Film, der der Kraft den Tränen einen weiten Raum schenkt, mit berührenden Dialogen zum existenziellen Lebensthema des Abschiednehmens, des Trauerns, Sterbens, der Verbundenheit mit den Verstorbenen. Beispielsweise im Gespräch des Vaters John mit Mrs McDonagh, einer alten Frau, bei der er als Fensterputzer arbeitet: „Wir sind Luft, nicht Erde und wir bleiben immer da. Unser Geist, unsere Energie ist in der Luft – Tränen sind nicht Zeichen der Schwäche, sondern der Liebe.“, sagt sie so ganz beiläufig im Garten. Das bewegende Gespräch zwischen dem vierjährigen Sohn Michael und seinem Vater John: „Er wird trotzdem immer bei dir sein in der Luft“, „Wie der Ballon im Himmel?“, „Du kannst mich nicht sehen, aber du kannst mit mir reden und ich höre dir zu, aber du wirst mich nicht hören, wie du mich jetzt hörst, sondern in dir drin. Ich werde immer bei dir sein in der Luft, in den warmen Sonnenstahlen, im Regen, in den Trauben, vor allem im Geschmack der Trauben.“

Spirituelle Grundhaltungen

Diesen Dialog schaue ich mir immer wieder an und ich weine. Ich entdecke darin eine spirituelle Spur, ich finde darin mein Vertrauen und meine Erfahrung wieder, dass die Verstorbenen weiterhin mit mir sind, einfach anders! Meine Hoffnung nährt sich aus dieser tieferen Verbundenheit. Hervorragend sind die Schauspieler, besonders James Norton als John und der kleine Daniel Lamont als Michael, der von mehr als hundert Kindern ausgewählt wurde. Spirituelle Grundhaltungen sehe ich bei John, der seiner Intuition traut und im Annehmen seines Sterbens, wütend und lächelnd unterwegs ist. Seine Begleiterin Shona von der Adoptionsbehörde sagt ihm: „Einen Tag nach dem andern. Wir schaffen das.“ Uberto Pasolini bittet den Schauspieler James Norton: „Dies ist kein Film über den Tod, sondern über das Leben, über Familie, über die Liebe zwischen diesem Vater und seinem Sohn. Aber er wolle, dass der Tod in jeder Szene präsent sei. Es geht darum, die wunderbaren Momente zu schätzen, die wir mit unseren Liebsten erleben.“ Presseheft…

Pierre Stutz | Fotos: © Piffl Medien

 

Feedback 💬

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert