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Ich danke Gott, dass er mich ins Gefängnis geführt hat

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Welche Sehnsucht treibt mich im Leben an? „Je mehr mir weggenommen wurde, desto freier wurde ich“, sagt Thomas Middelhoff als ehemaliger Manager nach seiner Haftstrafe.

Vom Handelsmann zum Häftling: Wegen Veruntreuung kam Manager Thomas Middelhoff ins Gefängnis. Er ist dankbar für seine Haftzeit, weil diese ihn nahe zu Gott brachte. Thomas Middelhoff war ein Top-Manager. Doch dann wurde er wegen Untreue zu einer dreijährigen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt. Im Gefängnis erlebte der Katholik eine Sehnsucht nach Gott – und erneuerte sein Glaubensleben.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG und der damaligen KarstadtQuelle AG sagt im Gespräch mit „Kirche in Not“: „Ich danke Gott, dass er mich ins Gefängnis geführt hat.“ Wie er berichtet, hatte Middelhoff schon als Kind und Jugendlicher mit dem katholischen Glauben zu tun, aber nie selbstständig in die Bibel geschaut. Während seiner Haft entwickelte sich in ihm der Wunsch, in der Bibel zu lesen. Er verordnete sich täglich eine halbe Stunde Lektüre, morgens um fünf begann er damit. Bei den Geschichten reflektierte er sein Leben. Als er über Hiob las, der viel Leid ertragen musste, erkannte Middelhoff, wie gut er es hatte.

Der Gefängnispfarrer hatte sich viel anzuhören

Der Katholik betete täglich erst einmal, später zweimal das katholische Rosenkranzgebet. Dadurch habe er „einen fast meditativen Zugang“ zu Gott empfunden, sagte er. Das vermisse er heute teilweise, weil er durch Vorträge und Lesungen eingebunden sei.

Middelhoff ist der festen Überzeugung, dass ihn Gott mit der Haft dazu bringen wollte, über sein Leben und darüber, wie er es führte, nachzudenken. Er sei vorher bereits gläubiger Katholik gewesen, erzählt er in dem Interview, sei aber mit 17 Jahren das letzte Mal bei der Beichte gewesen. „Ich bin dann zum ersten Mal in dem Gefängnis zum Gefängnispfarrer zur Beichte gegangen. Und der hatte sich dann viel anzuhören“, sagte der ehemalige Manager mit einem Schmunzeln.

In den Jahren im Gefängnis lernte er, was ihm etwas bedeutete: „Dir geht es eigentlich immer besser, je mehr dir weggenommen wird.“ Dadurch habe er eine Leichtigkeit entwickelte. Er sieht den Weg, den er gehen musste, nicht negativ. „Die Krise fasse ich nicht als Drama auf, sondern als Chance. […] Wenn ich zurückschaue, bin ich voller Dankbarkeit.“

Martina Blatt | Christliche Medieninitiative pro e.V.

 

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