parallax background

Knasttaube brütet am Bochumer Kapellenfenster

20. Mai 2022
Berliner Projekt „aufGefangen“: Kinder und inhaftierte Väter
19. Mai 2022
Wenn Helfer selber Hilfe benötigen. Auf Signale der Seele hören
30. Mai 2022

Ob an Pfingsten zwei Täubchen schlüpfen?

Die Folienbox der Bochumer Gefängniskapelle zeigt in der Pfingstzeit eine Taube. Die vom berühmten Heilig-Geist-Fenster aus dem Petersdom in Rom.

Tauben in den Vollzugsanstalten wählen sich als Nistplatz häufig eine Zellenfensterbank aus. Manchmal sogar ein Knastkapellenfenster. Augustinus deutet das Gurren der Taube pfingstlich. Es ist ein passendes Bild für das Werben Gottes um jeden. Vögel mögen Gotteshäuser. In alten Wallfahrtspsalmen heißt es schon: Der Sperling findet ein Haus und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen. Deine Altäre Herr der Heerscharen, mein Gott und mein König (Psalm 84).

In einer JVA darf dies kein zartes Vögelchen sein. Dafür herrscht dort zu viel Betrieb. Es muss schon ein robuster Vogel sein, wenn er sich traut, sein Nest am Fenster zu bauen. Die Knasttaube ist Trubel gewohnt. Sie erlebte schon bessere Zeiten. Als es noch keine Feinvergitterung gab, landeten mehr Lebensmittel auf den Höfen. Manchmal entstehen Freundschaften zwischen Inhaftierten und Tauben. Eine Taube spürt schnell, ob sie sich auf der Zellenfensterbank aufhalten darf. Beide profitieren voneinander. Der Häftling freut sich über Abwechslung im Knastalltag und neues Leben an seinem Fenster. Er fühlt sich persönlich geehrt, dass die Taube ihn ausgesucht hat. Er bewegt sich vorsichtig und leise. Die Taube profitiert auch. Sie wird gefüttert. Sie erfährt Ansprache, Sozialkontakt. Ein Nest wird gebaut, die Taube brütet und zieht die Jungen groß, bis sie flügge sind.

Unüberhörbares Gurren

Zurück zum Gotteshaus aus Psalm 84 und zum JVA-Kapellenfenster. Genau ein solches hat sich in Bochum eine Taube ausgesucht zum Nestbau, zum Eierlegen, zum Brüten. Pünktlich vor Pfingsten. Schon seit Ostern hört man in den Haftanstalten ein pfingstliches Geräusch. Das Gurren der Tauben. Augustinus deutet dieses Liebeslocken bildlich. Leise gurrend wie eine Taube wirbt und lockt Gottes Heiliger Geist. Wir sind von Verlockungen und Versuchungen aller Art umgeben, auch des Bösen, ja. Aber Gottes Gnade, Gottes Geist umzingelt und umwirbt uns ebenso. Das unüberhörbare Gurren der Tauben vor den Gefängnisfenstern ist ein passendes Bild für Gottes behutsames, anhaltendes Werben um jeden.

Alfons Zimmer | JVA Bochum

 

Feedback 💬

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.