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Kirche aus Papier – Memorieren einer Papierkirche

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In der Weihnachtszeit wurde von einem Inhaftierten in Untersuchungshaft der JVA Nord-Brandenburg eine Kirche aus Papier hergestellt. Diese besteht aus vielen mühsam und künstlerisch einmalig zusammengesetzten Papierteilen, die unglaublich anmuten. Die Kirche wurde auch in einer Zeit hergestellt, in der durch die Corona Beschränkungen regelmäßige gottesdienstliche Angebote selten sattfanden.

Die Idee sich eine eigene Kirche in seinem Haftraum zu bauen ist erstaunlich. Stellt sie doch auch dar, dass mit den einfachsten Mitteln der Glaube an Gott stattfinden kann. Mit der entsprechenden Vorstellung geht der Inhaftierte, wann er will in die Kirche zum Gebet oder um einfach Gott nah zu sein. Der Haftraum wurde dadurch auf künstlerische Art entgrenzt. Die Enge aufgehoben und das eigene Bekenntnis wortlos ausgesprochen. Die Geschichte der Papierkirche ist dennoch traurig, denn auf Grund von Brandschutzbestimmungen wurde die Papierkirche aus dem Haftraum (aus Sicherheitsgründen) entfernt. Sie sollte entsorgt werden und landete bei uns Gefängnisseelsorgern.

Wir haben die Papierkirche in der Kapelle der Anstalt aufgestellt. Dort steht sie etwas verlassen in einem größeren Raum und wirkt etwas verloren, seinem Ursprung entweiht und ungenutzt. Die Geschichte aber ist weiterhin lebendig – der Glauben an Gott kann nicht verboten werden und ist eine Kraft dem, der sich auf IHN einlässt. Für mich als Gefängnisseelsorger ist es wie eine Predigt ohne Worte in Kunst gefaltet. Einfach hoffnungsvoll und in seiner eigenen Art wunderschön.

Eckhard Häßler  | JVA Nord-Brandenburg, Teilanstalt Wriezen

Kirche aus Papier
Glaube aus Sehnsucht
Haft aus Gewalt
Stille aus Segen
Mut aus Verzweiflung

Hoffnung aus Liebe
Gott aus Phantasie
Freiheit aus Mut
Gold aus Papier
Ort aus Frieden
Haus aus Ewigkeit

 

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