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Vom Junkie zum Mesner. Der Film “Berliner Härte”

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Wie Ebrachs Gefängnisseelsorger und ein Ex-Drogenabhängiger mit dem Film “Berliner Härte” Jugendliche von Drogen fernhalten wollen.

Vor 15 Jahren ging es für Marco L. (42) um Leben und Tod. Hinter dem damals 27-Jährigen lagen Jahre der Enttäuschung, Verwahrlosung und des schweren Drogenmissbrauchs. „Mein Bewährungshelfer hat mir gesagt: Wenn du nicht aus Berlin verschwindest, gehst du drauf.“ Marco ging nach Bamberg, machte einen kalten Entzug und wurde vom Junkie zum Mesner. Der Dokumentarfilm „Berliner Härte“ zeichnet sein Leben im Detail nach und soll künftig zur Suchtprävention eingesetzt werden. Als Warnung und als Mutmacher.

Dass es den Film gibt, hat damit zu tun, dass Marco Pfarrer Hans Lyer begegnet ist. Der katholische Priester ist Gefängnisseelsorger in der bayrischen JVA Ebrach und außerdem aktiv in der Resozialisierungsarbeit für Strafentlassene in Bamberg. „Dort habe ich ihn gesehen, aber Marco war lange sehr, sehr zurückhaltend“ erinnert sich Lyer an die ersten Begegnungen vor mehr als zehn Jahren.

Erst ganz allmählich kam der Ex-Junkie mit dem Priester in Gespräche, fand später zaghaft Zugang zum Glauben und entwickelte den Wunsch, sich taufen zu lassen. Schließlich half er gar als Mesner bei Gottesdiensten in der Kirche St. Elisabeth im Sand mit. „Es war ein gutes Gefühl, das Vertrauen des Padres zu bekommen“, sagt Marco und meint Pfarrer Lyer. In Marcos altem Leben war Vertrauen Mangelware. Davon handeln biografische Aufzeichnungen, die er auf Rat einer Psychologin zur Verarbeitung seiner schweren Vergangenheit gemacht hat. Er schrieb von der fehlenden Liebe seiner Mutter, einer anschließenden „Kinderheimkarriere“, dem Umzug in die Großstadt Berlin und schließlich vom Abgleiten in die schwere Drogenabhängigkeit und in eine Scheinwelt aus Kriminalität, Gewalt und Prostitution. Die Aufzeichnungen zeigte er dem Priester.

Marcos Schicksal steht stellvertretend für viele Lebensläufe von Menschen, die Hans Lyer bei seiner Arbeit als Knastseelsorger trifft. Deshalb reifte langsam die Idee, die harte Biografie zu verfilmen. „Der rote Faden musste Drogenprävention sein. Es geht darum zu zeigen, was Drogen anrichten. Aber auch darum, dass Du im Leben immer die Chance hast, die Kurve zu kriegen“, sagt Lyer. In sieben Sequenzen wird in „Berliner Härte“ Marcos Leben bis zu seinem Ausstieg aus dem Drogenmilieu geschildert. Mit Regisseur Thomas Metzkow und Kameramann Ingolf Himmler besucht der Protagonist Orte seiner Kindheit und Jugend und berichtet, um den Betrachtern die Augen zu öffnen für soziale Abgründe.

Zielgruppe des Films sind in erster Linie Jugendliche und junge Erwachsene. Er soll eingesetzt werden im Schulunterricht, aber auch in der außerschulischen Jugend- und Sozialarbeit wie in Jugendgruppen, in Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, Sportvereinen oder in der Straffälligen- und Suchtkrankenhilfe. „An Karfreitag habe ich den Film testweise bei uns in der JVA gezeigt. Mehrere Häftlinge kamen danach zu mir und sagten, der Film treffe direkt in eine Wunde“, sagt Lyer. Um die Nachhaltigkeit zu verstärken, haben sich Marco L. und Hans Lyer ebenso wie die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle für Drogenprävention in Bamberg bereiterklärt, für Nachbesprechungen des Films zur Verfügung zu stehen.

„Als Kirche haben wir einen Auftrag, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen. Auch Jesus ist zu denen gegangen, die Brüche durchlebt haben“, macht Lyer klar, warum es für ihn wichtig ist, dass Kirche sich in diesem Feld engagiert. Die Gefangenenseelsorge Ebrach zeichnet sich für die Produktion verantwortlich, Erzbistum Bamberg und Caritas waren maßgeblich an der Finanzierung beteiligt. Den Vertrieb des Films übernimmt die Medienzentrale der Erzdiözese Bamberg. Nach der Filmpremiere am 27. Oktober in der St. Elisabethkirche in Bamberg kann die DVD ausgeliehen oder gegen eine Schutzgebühr von zehn Euro erworben werden. Infos gibt es unter www.medienzentrale-bamberg.de.

Hendrik Steffen | Bild: © Thomas Metkow/Erzbistum Bamberg

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