GefängnisseelsorgerInnen in NRW treffen sich in Köln

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Die wohl größte GefängnisseelsorgerInnen-Konferenz in Deutschland ist die aus Nordrhein-Westfalen. Das bevölkerungsreichste Bundesland spiegelt sich hier wieder. Aus fünf Bistümern reisen die Seelsorgenden der Justizvollzugsanstalten nach Köln ins bischöfliche Maternushaus. Seit fast zwei Jahren begegnen sie sich das erste Mal wieder präsent. Da gibt es viel auszutauschen und zu erzählen.

Gleich zwei neue Kolleginnen sind im Erzbistum Köln dazu gekommen. Die Gefängnisseelsorgerinnen aus der JVA Remscheid und der JVA Köln-Ossendorf. Immerhin ist dies eine der guten Nachrichten aus Köln, angesichts der schlechten Umfragewerte der Katholischen Kirche am Rhein. Die Gefangenen der rheinischen Anstalten fragen nicht danach. Sie beurteilen die GefängnisseelsorgerInnen vor Ort. Und das fällt oft durchaus positiv aus. Der Landesvorsitzende der NRW Konferenz, Dekan Stefan Ehrlich (JVA Köln), eröffnet das Zusammentreffen mit einem Rückblick. Die Corona-Pandemie hat Spuren in den Gefängnissen hinterlassen. Veranstaltungen sind ausgefallen und Ehrenamtliche konnten nicht in den Knast kommen. Vergleichsweise haben die Gefängnisse in Nordrhein-Westfalen wenige Corona-Fälle bei Inhaftierten und Bediensteten zu verzeichnen, so Ehrlich in seinem Bericht.

Nicht virtuell, sondern in echter Begegnung treffen sich GefängnisseelsorgerInnen im Hotel und Tagungshaus “Maternushaus” in Köln.

Flut trifft die JVA Euskirchen

Die Hochwasserkatastrophe trifft den Offenen Vollzug der JVA Euskirchen besonders hart. Die Inhaftierten sind teilweise in andere Anstalten verlegt worden. Dies führt zu Härtefällen. Wenn ein Gefangener des Offenen Vollzuges sich aufgrund der Flutschäden plötzlich im geschlossenen Vollzug wiederfindet, ist das keine gute Nachricht. Die GefängnisseelsorgerInnen der JVA Euskirchen packen mit an. Sie ziehen sich vor Ort die Arbeitskleidung der Inhaftierten an und räumen Schlamm und Geröll weg. Die Gefängnisseelsorgerin der JVA Euskirchen, Andrea Titt, erzählt davon.

Neue Stellenausschreibungen

Etwa 25 GefängnisseelsorgerInnen aus den Bistümern Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn halten sich an die Hygiene- und Coronavorschriften. Das leise Surren der Luftfilterreinigungs- und Klimaanlange im Tagungsraum stört nur partiell. In den Kaffeepausen kann man sich wieder informell unterhalten. Dies ist in den virtuellen Treffen der letzten Monate nicht möglich gewesen. So unterschiedlich die Handlungsstrategien in den JVA´en des Landes zu den Corona-Maßnahmen waren, so verschieden berichten die einzelnen GefängnisseelsorgerInnen. Heftige Debatten löst die Frage nach den Stellenausschreibungen für katholische GefängnisseelsorgerInnen in den Justizvollzugsanstalten aus.

Die Bistümer sind in Absprache mit dem Land dafür verantwortlich. Manche Bistümer schreiben Stellen bundesweit aus, andere nicht einmal intern. Die Justiz in NRW hat den Beruf der Gefängnisseelsorge (m, w, d) in ihrer Image-Kampagne für die Nachwuchsgewinnung mit aufgenommen. Dazu soll die Konferenz der Gefängnisseelsorge in Zukunft eingebunden werden. Im Bistum Münster sind interessierte pastorale MitarbeiterInnen für den Dienst im Gefängnis zu einem Treffen eingeladen worden. Die Frage ist, wie neue MitarbeiterInnen für den pastoralen Dienst im Knast gewonnen werden können.

Jedes Bistum in Nordrhein-Westfalen hat ein Diözesanbeauftragten oder SprecherIn für die Gefängnisseelsorge. Zwei Stellen sind als Dekan der Gefängnisseelsorge im Beamtenstatus des Landes. Sie sind an der Schnittstelle zwischen MitarbeiterInnen, Bistum und dem Land tätig. Im Erzbistum Paderborn wird die Stelle der Diözesanbeauftragten mit 50% Arbeitsumfang gewürdigt. In anderen Diözesen gibt es dies nicht. Diese Aufgaben werden oft zum regulären Dienst in einer JVA gemacht. Ob und wie in Zukunft GefängnisseelsorgerInnen beim Land angestellt werden können ist offen. Der größte Teil der GefängnisseelsorgerInnen arbeiten in Gestellungsverträgen zwischen dem Land und dem jeweiligen Bistum. Die Stellen sind vom Land Nordrhein-Westfalen refinanziert.

Bundesweite Studientagung

Der Vorstand der Konferenz, Stefan Ehrlich (JVA Köln), Klaus Schütz (JVA Essen) und Daniela Bröckl (JVA Bielefeld-Senne) beschließen das Treffen mit einem Dank an alle Beteiligten. “Dieses Treffen ist seit einigen Jahren mit der Teilnahme der KollegInnen wieder neu gestärkt”, so der Vorsitzende. “Wir bleiben in Verbindung und im Gespräch”, sagt er und verweist auf die bundesweite Studientagung der Katholischen Gefängnisseelsorge in Deutschland e.V. im Oktober 2021. Sie wird ebenfalls als Präsentveranstaltung unter Einhaltung der 3G Regeln in Neumarkt/Oberpfalz stattfinden.

Michael King |  JVA Herford

 

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