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Gefängnisseelsorge bringt ihren Arbeitsplatz auf den Katholikentag

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Auf den Katholikentag 2022 in Stuttgart ist der Stand der Katholischen Gefängnisseelsorge ein echter Magnet. Die Möglichkeit in eine „Musterzelle“ einzutreten gibt es nicht so oft. Nicht nur als Hingucker, sondern einmal wahrhaftig zu spüren, wie solch ein Haftraum auf einen wirkt. Die KollegInnen der Gefängnisseelsorge im Gebiet der Diözese Rottenburg-Stuttgart und des Erzbistums Freiburg sprechen mit Interessierten und Kritikern. Sie berichten persönlich über ihre seelsorgerliche Arbeit in den Gefängnissen des Landes.

„Dass es Seelsorge auch im Gefängnis gibt wussten wir gar nicht…“, ein oft gehörter Satz in diesen Tagen. Dank der Kollegen des Werkdienstes der Justizvollzugsanstalt Adelsheim war es möglich die Gefängniszelle als Gesprächsort vor Ort präsentieren zu können. Viele BesucherInnen, ehemalige KollegInnen und sogar ehemalige Inhaftierte fanden den Weg an den Stand auf der Kirchenmeile. „Bei aller Kritik an der Kirche und meinem Unverständnis über das Vorgehen der Verantwortlichen beim Thema Missbrauch – ihr leistet im Gefängnis eine tolle und sinnvolle Arbeit“ – ein Satz der so und in ähnlicher Form in den Tagen sehr oft zu hören war.

Ein-Tritt in eine fremde und beengte Welt eines Haftraumes. Foto: Peter Holzer. Titelfoto: Diözese Rottenburg-Stuttgart, Arkadius Guzy.

Eine Zelle im Zelt

Dass ein Haftraum in ein Pavillonzelt passt, wunderte viele. „So wenig Platz hat man in solch einer Zelle?“, fragt so mancher. „Ein-Tritt ins Gefängnis“ konnte man auf dem Plakat lesen. Der Arbeitsplatz von GefängnisseelsorgerInnen ist oft der Haftraum. Für inhaftierte Menschen ist es der Schlaf- und Wohnraum mit einem Fernseher, einem Waschbecken und einem nicht immer abgetrennten WC. „Gespräche im Haftraum zu führen ist anderes als in meinem Büro“, sagt eine Gefängnisseelsorgerin. „In der Zelle entdecke ich persönliche Bilder oder Gegenstände, die dem dort lebenden Menschen wichtig sind“, erzählt Sr. Sabine, die im Frauenvollzug der JVA Schwäbisch Gmünd arbeitet. Das Mindestmaß einer Zelle für eine Einzelunterbringung ist 9 m² Bodenfläche. Nach § 18 ist eine Unterbringung von mehr als einem Gefangenen pro Haftraum nur „vorübergehend und aus zwingenden Gründen“ oder bei Hilfsbedürftigkeit oder Gefahr für Leben oder Gesundheit eines Gefangenen zulässig. Seitlich konnten die Katholikentagsbesucher in die Zelle reinschauen: Ein-Blick ins Gefängnis, der sonst verschlossen bleibt.

Menschen sind auf der Suche

Das Spannungsfeld zwischen dem vorsichtigen Agieren der Amtskirche und dem engagierten und begeisterten Auftreten von Einzelnen, die für Ihren Glauben und Ihren Auftrag trotzdem oder gerade deshalb stehen, ist wahrgenommen worden. Der Glaube ist lebendig, die christliche Botschaft hat Bedeutung für die Welt und das Leben jedes Menschen – das war in diesen Tagen spürbar. Viele Menschen sind auf der Suche. Sie müssen den Weg zu uns wieder finden können. Das Motto des Katholikentages lautete: „Leben teilen“. „Hoffentlich gelingt es uns als Kirche bald wieder glaubwürdig und den Menschen zugewandt das Leben mit ihnen zu teilen. Gottes Heiliger Geist möge uns dazu ermutigen und befähigen“, sagt der Dekan für Gefängnisseelsorge in Baden-Württemberg, Peter Holzer, von der JVA Bruchsal.

 

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