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Entstehung und der Weg einer Krippe in den Knast

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Je nachdem wo man steht, sind die Blickwinkel vor und hinter der Mauer unterschiedlich. Dies ist mit der Geschichte von Weihnachten nicht anders. Rudi Bannwarth, ein Holzbildhauer aus Ettlingen bei Karslruhe, wagt ein Projekt mit den Gefängnisseelsorgern der ostwestfälischen JVA Herford: Auf Augenhöhe mit Straftätern entwickeln sie eine Krippe. Die inhaftierten Jugendlichen kennen die Geschichte der Geburt Jesu „vom Hören sagen“. Sie sind Muslime, Bekenntnisfreie und Suchende. In dieser Krippe zeichnet sich ihre Lebensrealität und ihre eigene Geschichte ab.

Nach fast genau einjähriger Planung steht die Knast-Krippe in der Anstaltskirche. Zumindest die Kulisse der Haftanstalt mit dem Eingang, dem Haftraum und dem Abteilungsgang. In den Adventswochen wird die Krippe Stück für Stück zum Leben erweckt. Holzbildhauer Rudi Bannwarth aus Ettlingen bei Karlsruhe hat sie angefertigt. Denkt man sich die Figuren und vor allem den Stern weg, dann hat man den Knast vor Augen wie er wirklich ist. Und wenn der Inhaftierte, der auf seinen Bett sitzt, dazukommt, wird die Szenerie authentisch. Dies ist so gewollt. Selbst Maria und Josef sind äußerlich nicht die, die wir uns immer vorstellen.


Vor einem Jahr war der Künstler Rudi Bannwarth für zwei Tage in der JVA zu Besuch. Im Gepäck hatte er nur die Idee, die klassische Krippendarstellung in die Gegenwart zu übertragen, wie er es schon oft getan hat und mehrfach dafür ausgezeichnet worden ist. Wie dies für die JVA in Herford geschehen konnte, entwickelte sich im Gespräch mit Inhaftierten. Maria wurde zur Mutter eines Gefangen und Josef zum Großvater, weil die Väter zu oft fehlen. Nur das „Jesuskind“ blieb lange offen. So sitzt ein Inhaftierter inmitten der Szene. An Weihnachten umringt von seiner Mutter und dem Großvater im Haftraum. Erklärungsbedürftig – genau das ist gewollt. Die beiden Seelsorger der JVA Herford Michael King und Stefan Thünemann sind am Ende nicht nur froh und glücklich darüber, dass diese ungewöhnliche Krippe endlich da ist, sie sind ebenso dankbar, dass die angesprochenen Sponsoren und Spender ohne Zögern zugesagt haben. Der Film dokumentiert die Reise der Knastkrippe von Ettlingen nach Herford.

 

Stefan Thünemann, JVA Herford | Fotos im Artikel: Andrea Fabry

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