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Denkmal in der JVA Tegel für inhaftierten Dompropst Lichtenberg

23. Juni 2026

Denkmäler sollen öffentlich erinnern. An Menschen, an Ereignisse, an besondere Ideen. Ein Denkmal hinter Gefängnismauern scheint da seinen Zweck zu verfehlen, ist es doch gerade nicht öffentlich zugänglich. Alexander Obst, katholischer Seelsorger an der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel war anderer Meinung. Als Ergebnis eines Projekts mit Strafgefangenen konnte ein Denkmal für den vor 85 Jahren in Tegel inhaftierten Dompropst Bernhard Lichtenberg eingeweiht werden.

Am 30. Jahrestag des 23. Juni 1996, der Seligsprechung Lichtenbergs durch Papst Johannes Paul II. im Berliner Olympiastadion, enthüllt der Berliner Weihbischof Dr. Matthias Heinrich gemeinsam mit Justizstaatssekretär Dirk Feuerberg das Kunstwerk an einer Binnenmauer der Anstalt. Bedienstete und Gefangene gehen täglich an der Edelstahlkonstruktion vorbei, nur wenige Meter entfernt vom früheren Gefängnislazarett, in dem der schwerkranke Priester im Herbst 1943 den letzten Teil seiner zweijährigen Haftstrafe verbrachte.

Vater des Grundgesetzes

Monatelang befasste sich eine Gruppe Gefangener mit dem Lebenszeugnis Lichtenbergs, den der Weihbischof als „Vater des Grundgesetzes“ zu einer Zeit bezeichnete, als dieses noch nicht existierte. Unterstützt von der sozialen Arbeit der Anstalt, der Künstlerseelsorge des Erzbistums Berlin und dem Postulator für das Heiligsprechungsverfahren Lichtenbergs, Dr. Gotthard Klein, entstand in den Köpfen der Teilnehmer das Bild eines Kämpfers für das christliche Menschenbild, das der nationalsozialistischen Ideologie diametral entgegenstand.

Aus den Entwürfen der Gefangenen für einen Gedenkort wird die Idee des gebürtigen Ivorers Nikolas K. Grundlage des Kunstwerks. Ausgehend von Gitterstäben, die er immer mehr verdichtete, entstand schließlich ein Kreuz. Bildhauer Norvin Leineweber setzte den Entwurf um, der dann von einem Kunsthandwerker ausgeführt wurde. Von einer „Händescheidung“ sprach der Künstler. Ähnlich der Aufgabenteilung bei einem Kupferstich, der durch Vorlage, künstlerische Umsetzung und Druck entstehe, habe es hier der Kreativität Mehrerer bedurft. Im Ergebnis spannt ein Kreuz einen ganzen Raum auf und verkehrt, so der Künstler, die Verhältnisse. Während etwa ein Bild durch die Perspektive einen dreidimensionalen Raum darstellt, wird hier mit einem räumlichen Kunstwerk ein zweidimensionales Kreuz dargestellt.

Spannungsreiches Leben

Verschieden angeordnete Flächen und Gravuren führen nicht zuletzt durch die Bearbeitung der Metalloberflächen zu immer neuen Lichtbrechungen und weisen so auf das spannungsreiche Leben des geehrten Seligen wie auf die Situation der heutigen Gefangenen hin. Wenn er im nächsten Jahr die Anstalt verlasse, so Nikolas K., hinterlasse er hier etwas Gutes, das anderen Hilfe sein könne. Begeistert ist er von Leinewebers Umsetzung seiner Ideen: „Er hat genau das gesagt, was ich gedacht hatte.“ Auch die anderen Mitarbeiter am Projekt der Gefängnisseelsorge zeigen sich beeindruckt. „Das Thema an sich war ja für mich nicht neu“, sagt Horst Grimm, der vor acht Jahren schon am Denkmalprojekt für den evangelischen Gefängnisseelsorger Harald Poelchau mitgearbeitet hatte. Dennoch war es für ihn mehr als nur eine Abwechslung im Haftalltag, auch „wenn es natürlich Spaß gemacht hat“. Er gehört zu denen, die hier häufig vorbeikommen und deren Alltag sich in den Metallflächen spiegelt, die von der gleichen Würde aller sprechen sollen, zur Zeit Lichtenbergs wie heute.Ansprache des Weihbischof…

Thomas Marin

Hintergrund

Bernhard Lichtenberg (1875–1943), Dompropst an der St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin, setzte sich während der Zeit des Nationalsozialismus öffentlich für Verfolgte ein. Lichtenberg wurde 1932 Dompfarrer und sechs Jahre später zum Dompropst ernannt. Er setzte sich mit öffentlichem Beten für verfolgte Juden ein und äußerte Kritik an „Euthanasie“-Morden. 1941 wurde er verhaftet, 1942 zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Während der Haft, unter anderem im Gefängnis Tegel, erkrankte er schwer und starb 1943 auf einem Transport in das Konzentrationslager Dachau. Im Jahr 1996 wurde er in Berlin seliggesprochen. Sein Wirken steht bis heute für Menschlichkeit, Gewissensstärke und die Verantwortung, für die Würde anderer einzutreten.

 

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