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Bücher nicht als Zeitvertreib. Sie geben Mut

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Ich kann schreiben. Dies ist nicht selbstverständlich
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Kaum zu glauben, dass ein paar Worte einem Menschen das Leben retten können. Worte wirken oft weiter als wir annehmen. Ein Satz kann ein Segen sein, ein Wort die Wunde heilen. Worte, die weiterwirken. Freunde, Leserinnen und Leser schreiben oder erzählen, welcher Text sie inspiriert, anspricht, tröstet oder ihnen Mut macht. Ihre Dank Zettel sind auch Denk Zettel. Sie geben zu denken, bedenkenswerte Worte von sehr unterschiedlichen Menschen in verschiedensten Lebenslagen. Unsere Lesart hängt immer auch von der Situation ab, in der uns ein Text, ein Buch begegnet. So schreibt ein Gefangener aus der Justizvollzugsanstalt.

Sehr geehrter Herr Ceelen,

ich verbüße eine lebenslange Freiheitsstrafe in der JVA. Dreimal hatte ich das Vergnügen, Sie hier bei einem Lese- und Gesprächsabend zu treffen. Sie sprachen davon, wie wichtig es Ihnen ist, sich alles von der Seele zu schreiben. Ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht, jeden Tag einen Brief an meine Eltern zu schreiben. Das war nicht immer leicht. Da fiel mir Ihr Espresso-Buch mit 365 Gedanken und auch Gedichten in die Hände. Von da an ging das Briefschreiben wie geschnitten Brot. Für jeden Tag des Jahres hing ich handgeschrieben den zu dem Tag geschriebenen Text an. Und nicht nur ich war davon begeistert. Meine Mutter konnte ihr Glück kaum fassen. Vater – erzählte sie – er war schon sehr krank, hört gerne zu, wenn ich ihm vorlese, was du schreibst.

Mittlerweile gehören mir vier Ihrer Bücher. Früher war ich schüchtern, viel von meinem Selbstvertrauen, dass ich heute mein Eigen nenne, rührt vom Lesen in Ihren Büchern. Ich bewundere Ihren Mut, zu dem zu stehen, was Sie tun. Mit DENK ZETTEL saß ich im Hof, als ein Gefangener sich zu mir setzte. Eine ganze Weile geschah nichts. Dann frage er mich: „Glaubst du an Gott?“. Er hatte wohl auf dem Umschlag das Wort Bibel gesehen. So kamen wir in ein langes Gespräch. Wir unterhalten uns nun öfters, nicht nur über Gott, und dies ist nicht das einzige Mal, dass ich – mit einem Ihrer Bücher in der Hand – Kontakte knüpfen konnte.

Meine beiden Brüder und mein Vater sind während der Haftzeit gestorben. Diese verfluchte Hilflosigkeit hier drinnen… und wenn ich dann merke, es lief eine Träne, dachte ich, was bin ich doch für eine Memme. „Wenn keine Tränen fließen, setzt sich der Schmerz in uns fest“, schreiben Sie. Was soll´s? Wenn ich heulend auf meiner Zelle hocke, sieht mich doch niemand und wenn doch, ich hab´s mir doch verdient. Lieber Petrus, Ihre Bücher waren mir nicht nur ein Zeitvertreib. Sie gaben mir Mut, Trost und auch Gelassenheit, mein Leben so zu gestalten, wie es heute ist.

Gottes Segen begleite Sie. Herzlichst

N.N. Inhaftierter in einer JVA

 

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