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Ausbrechender Häftling auf Garagentor gemalt

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Zur unmittelbarer Nachbarschaft der neuen Eingangsschleuse der Justizvollzugsanstalt Werl in Nordrhein-Westfalen hat ein Nachbar zynisch, ironisch oder spaßeshalber ein Leinwandbild auf sein Garagentor anbringen lassen: Ein ausbrechender Inhaftierter im Streifenanzug. Die alte Eingangsschleuse befand sich lange Zeit auf der anderen Seite des Gefängnis-Nachbarn. Mit der Erweiterung der JVA Werl und der Inbetriebnahme der Sicherungsverwahrung wurde der Zugangsweg direkt an der Garage des Nachbarn gelegt.

Seine Zustimmung muss der Nachbar wohl gegeben haben. Ob der Druck zu groß war, darüber kann man nur spekulieren. Zumindest besteht ein öffentliches Interesse der Erweiterung der JVA Werl. Die Nachbar sind es eh gewohnt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gefängnis zu leben. Die Anstalt ist älter als die Häuser der Nachbarschaft. Ausgenommen die Bedienstetenhäuser, die unmittelbar an der Mauer heute noch bestehen. Sie sind denkmalgeschützt. Sie wurden von 1906 bis 1908 für die Bediensteten errichtet.

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Werl befindet sich auf einem etwa vierzehn Hektar großen Gelände an der Belgischen Straße im Norden der Stadt Werl. Sie ist mit 1034 Haftplätzen eine der größten Justizvollzugsanstalten in Deutschland. Der vierflügelige, viergeschossige Kreuzbau in panoptischer Anordnung wurde ab 1906 errichtet und am 1. Juli 1908 als Königlich-Preußisches Zentralgefängnis in Betrieb genommen. Im verkürzten südwestlichen Flügel ist die Anstaltskirche mit eingezogenem, rechteckigen Turm untergebracht.

In der Nachkriegszeit diente das Gefängnis als Allied National Prison. Hier verbüßten die verurteilten Kriegs- und NS-Verbrecher aus den NS-Prozessen in der Britischen Zone ihre Haftstrafen. 2007 entstanden neue Gebäude innerhalb der Mauern. Es wurden Werkhallen sowie die Erneuerung der Anstaltsbäckerei und der Schlosserei errichtet. Auf einem benachbarten brachliegenden Grundstück entstand im Jahr 2016 die Sicherungsverwahrung des Landes Nordrhein-Westfalen mit über 140 Plätzen. Und damit ist die Zufahrt und die Außenpforte zur gesamten Justizvollzugsanstalt auf die andere Seite verlegt worden.

Der Nachbar hat die Gunst der Stunde genutzt, sarkastisch und humorvoll auf die Erweiterung und Verlegung der Außenpforte des Gefängnisses zu reagieren. Eine gelungene künstlerische Idee. Mit dem Klischee des Streifenanzuges macht dieser deutlich, worum es geht. Theoretisch wäre es möglich unterirdisch zu flüchten. Doch der Aufenthalt in der Nachbarschaft dürfte sich im Falle eines Falles einer Flucht aus dem Gefängnis höchstens auf ein paar Minuten belaufen. Wer will sich schon in unmittelbarer Nachbarschaft einer Garage aufhalten wollen, wenn er von diesem Ort flüchten möchte?

Michael King | Foto: Alexander Glinka

 

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