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Aikido als Ausgleich zum Knastalltag

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Moderne japanische Kampfkunst war in der Sporthalle der „Heinrich von Bibra-Schule“ in Fulda zu erleben. Aikido basiert auf verschieden klassischen japanischen Kampfkünsten und wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Ueshiba Morihei (1883-1969) entwickelt. Die Teilnehmer des intensiven Lehrgangs mit dem Hildesheimer Aikido-Lehrer Thilo Korek (4. Dan Aikikai) erfreuten sich an der Dynamik der Aikidotechniken, in denen ein Angriff möglichst ohne Kraft in eine Abwehr umgewandelt wird. Durch gemeinsames Rollen, Fallen und Zusammen-wieder-aufstehen wappnet man sich in übertragendem Sinne für das Leben mit den universellen Werten von Liebe, Leere und Loslassen.

Der Aikido Verein (Teil des 1. Fuldaer Judo-Club e.V.), im Verband der Aikido-Föderation Deutschland wird derzeit von Dr. Anna Andresen (1. Dan Aikikai) und Manfred Blum (1. Kyu Aikikai) koordiniert und geleitet. Anna Andresen begrüßte die Teilnehmer: „Nicht kämpfen – sondern friedlich zusammen lernen ist das Motto“. Aikido ist nicht nur eine Methode der Selbstverteidigung, sondern auch einen Weg zur Persönlichkeitsentwicklung und Bewegungsfreiheit. Sowie viele Menschen diese Woche auf die Straßen gingen um zu protestieren und sich mit dem Klimawandel beschäftigten, brachte der Fuldaer Lehrgang etwas in Bewegung: die Suche nach innerer Haltung, und der Arbeit an sich selbst trotz – oder gerade wegen – der aktuellen Herausforderungen unserer Zeit. Der „Sieg“ beim Aikido ist einer über sich selbst.

Es sieht gefährlicher aus als es ist. “Fit zu bleiben ist das Geheinnis”, sagen Korek und Andresen.

Dieses Engagement war zu spüren: Jung und Alt flogen mit Elan, Aufmerksamkeit und einem Lächeln über die Matte, ohne den Anderen zu verletzen. Anna Andresen betont, dass es beim Aikido äußerst wichtig ist, einander gegenseitig aufzubauen, wertzuschätzen und voneinander zu lernen. Der kleine intensive Lehrgang sowohl vor- als auch nachmittags war überregional besucht und machte offensichtlich Spaß. Einige Eindrücke der TeilnehmerInnen (zwischen 17 und 63 Jahren) spiegeln das wider.

Oliver Scharch, mit seinen 23 Jahren Kampfkunst Erfahrung sagte: „Aikido ist für mich Harmonie, Kameradschaft beim Training und Achtsamkeit.“ Auch der Hünfelder Facharzt Dr. mult. Christoph Raschka, ist begeistert: „Diese Form von Bewegung ist gut für die Wirbelsäule und ist für mich eine ganz andere Art von körperliche Herausforderung, die mir persönlich sehr gut tut.“ Für Gefängnisseelsorger Diakon Dr. Meins Coetsier ist Aikido ein Ausgleich zum Knast-Alltag: „Was mir gefällt am Aikido ist die Mischung von Bewegung, Geist, Technik und Kreativität, zusammen mit sympathischen Menschen und dem nötigen Humor.“

Aikido Lehrer Korek unterrichtete mit Weisheit, Kompetenz und einer lockeren Haltung die Trainingseinheiten und schenkte seinen Schülern Einblicke in das vielseitige Technikrepertoire der genialen Kampfkunst. Die dynamische Sphäre des Lehrgangs endete für vier begeisterte StudentInnen aus dem Kreis Fulda mit der ersten Prüfung zum „5. Kyu.“ Die Übergabe der Urkunden an Alessandro Jehn (18), Markus Papendieck (19), Luisa Hertwig (18), und Hannah Faulstich (17) wurde von guten Wünschen für den persönlichen Weg und die Zukunft mit Aikido begleitet: „Kontinuierliches Üben hilft,“ sagen Korek und Andresen, „Fit und beweglich zu bleiben ist das Geheimnis!“

Nach einem eindrucksvollen Tag auf den Matten, waren sich die Teilnehmer alle einig, dass Aikido mehr als eine Sportart ist, sondern vielmehr eine Lebenseinstellung. Aikido schult die Achtsamkeit und fördert ein respektvolles und friedliches Miteinander.

Meins Coetsier | JVA Fulda und Hünfeld

Der Fuldaer Aikido Verein freut sich über Interessierte, die mal zum Schnuppern und Mitrollen vorbeikommen möchten. Das Training für Anfänger und Fortgeschrittene (ab 10 Jahre) findet jeweils Montags und Mittwochs von 19 Uhr bis 20.30 Uhr statt. Anschrift: 1. Fuldaer Judo-Club e.V,  Heinrich von Bibra Schule, Buseckstraße 5 in Fulda.

 

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