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„Bin das schwarze Schaf“ der Familie: Neue Figur in der Knastkrippe

6. November 2026

Die Herforder Knastkrippe bekommt Zuwachs. Der Holzbildhauer Rudi Bannwarth aus Ettlingenweier bei Karlsruhe hat eine neue Figur erschaffen: ein schwarzes Schaf. Oftmals meinen inhaftierte Jugendliche, sie seien das „schwarze Schaf“ in der Familie. Diese Redeweise wird allgemein verwendet, wenn jemand sich in irgendeiner Weise „abhebt“ von den anderen.

Es geht nicht, um schwarz oder weiß

„Das „schwarze Schaf“ ist nicht negativ zu bewerten, wie es oft gemacht wird“, sagt der katholische Gefängnisseelsorger Michael King. Vielmehr könne man mal über all die „weißen Schafe” nachdenken, die das „schwarze” Schaf in den Mittelpunkt oder an den Rand rücken. Meistens wird diese Redeweise im negativen Sinne gebraucht. Eine eigene Farbe zu haben, kann etwas sein, das besonders ist und vielleicht zu einem außergewöhnlichen Leben führt. Es geht nicht um schwarz oder weiß, sondern um die Vielfalt dazwischen. Auch wenn Straftaten jemanden ins Gefängnis gebracht haben, heißt das noch nicht, dass jemand ein schlechter Mensch ist. Die je eigene spezielle Persönlichkeit weiter zu entwickeln und dazu zu stehen, wie man eben ist, kann verändern, was einem zugeschrieben wird.

„Es gibt nicht nur schwarze oder weiße Schafe, manchmal denke ich an Zebras… Out of the Box… wie man im badischen sagt“, grinst Rudi, der Ettlinger Künstler in seiner „Pumuckl-Werkstatt“. Ein Thema, mit Inhaftierten und Bediensteten über das „schwarzen Schaf“ mit neuer Perspektive ins Gespräch zu kommen. Die bestehende Knastkrippe wurde seit 2020 prozessartig entwickelt und umgesetzt. „Wir freuen uns auf das schwarze Schaf. Egal, wie das Sprichwort vom schwarzen Schaf bewertet wird. Alle sind willkommen ohne Kriterien und Vorbehalt! Besser die Schafe jeglicher Art draußen bekommen noch einmal die Kurve“, sagt der evangelische Gefängnisseelsorger Stefan Thünemann. Bestehende Vorurteile können angeschaut und revidiert werden.

Drittes Tier in der Krippe

Mit Ochs und Esel im Paragrafenzeichen ist das Schaf das dritte Tier in der Knastkrippe. Tierisch soll es nicht zugehen, sondern menschlich. Wie in der Weihnachtsgeschichte. Göttlichkeit wird geboren in jedem Menschen. Dazu gehört das Scheitern und das Schuldig-werden. Menschen werden in eine je eigene Wirklichkeit hineingeboren. Diese anzuerkennen und die je eigene Geschichte weiterzuentwickeln bzw. immer wieder neu beginnen zu dürfen, daraus können neue und richtungsweisende Stärken erwachsen. Die Redeweise „Ich bin das schwarze Schaf“ verkürzt das Potenzial, das in jedem steckt. In einer Herde weißer Schafe fällt ein schwarzes Schaf sofort optisch auf, weil es sich farblich von der Masse unterscheidet.

Jeder und jede hat eine eigene Würde

Früher war weiße Wolle wertvoller und leichter weiterzuverarbeiten. Sie ließ sich besser färben als die Wolle schwarzer Schafe. Deshalb galten schwarze Schafe für Schäfer oft als wirtschaftlich weniger erwünscht. Dieser Hintergrund könnte erklären, warum wir die sprichwörtlich „schwarzen Schafe“ negieren. Doch bei Menschen ist das anders. Die Wirtschaftlichkeit kann nicht mit Mit-Menschlichkeit gleichgesetzt werden. Ob geboren als schwarz, weiß oder einer anderen Farbe. Biblisch wird in einem Gleichnis erzählt, dass Jesus das „verlorene Schaf“ suchte und es fand. Was immer „verloren“ bedeuten mag, jeder und jede hat eine eigene Würde. Egal mit welcher Farbe wir durchs Leben gehen.

Michael King

 

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