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Berufen für den spannenden Dienst als GefängnisseelsorgerIn

15. Juli 2026

Die Mitte des Raumes ist gestaltet mit einem blauen Tuch, einer Bibel und einem Segelschiff. Eine Kerze wird entzündet. Der Leiter der Diözesanstelle Berufungspastoral, Johannes Schäfers, und die Franziskanerin Dr. Alexandra Völzke begrüßen die GefängnisseelsorgerInnen im Tagungshaus Maria Immaculata in Paderborn. Eine zweitägige Studientagung wird als so genannte „Einkehrtage“ gestaltet.

Berufen sind die GefängnisseelsorgerInnen für den Dienst in den Justizvollzugsanstalten auf dem Gebiet des Erzbistum Paderborn, der Jugendarrestanstalt Lünen und dem Justizvollzugskrankenhaus des Landes Nordrhein-Westfalen in Fröndenberg. Unter den Knast-Theologen und einer Theologin bestehe eine hohe Berufszufriedenheit, stellen die beiden leitenden Personen aus der Berufungspastoral fest. Die Teilnehmenden kommen aus allen Berufsgruppen. In den staatlichen Einrichtungen haben sie als pastorale MitarbeiterInnen oder Priester das Beichtgeheimnis zu wahren. Von der Veränderung des „Transformationsprozesses“ im Erzbistum bekommen sie wenig mit. Der Ort hinter den Mauern bleibt beständig, nur die inhaftierten Menschen und manche Bedienstete wechseln mehr oder weniger.

Heiliger Ort und Ort des Er-Lebens in der Kirche hinter Mauern der JVA Herford im Jugendvollzug.

In zwei Systemen zuhause

Gefängnisseelsorgerinnen sind kirchliche MitarbeiterInnen, die im Gestellungsvertrag vom Land bezahlt werden und in der staatlichen Einrichtung arbeiten. In zwei Systemen sind sie zuhause: in der Kirche und dem Justizvollzug. Von Problemen, die das mit sich bringt, wird erzählt. Einigen ist die eigene Kirche durch die Realität der Herausforderung im Knast fremd geworden. „Die Kirchen-Gemeinden und wir können von Euch Gefängnisseelsorgenden einiges lernen“, sagt Schäfers. Da ist die Interreligiösität zu nennen, die Arbeit mit Menschen weit weg von Kirche oder mit Bediensteten, die bekenntnisfrei sind. „Das ist eine hohe Verantwortung und bedeutet, Fingerspitzengefühl zu zeigen“, sagt die Diözesanbeauftragte für Gefängnisseelsorge im Erzbistum Paderborn, Daniela Bröckl, vom Offenen Vollzug der JVA Bielefeld-Senne

Ich bin da

GefängnisseelsorgerInnen können sich nicht hinter religiösen Formeln im Anstalts-Gottesdienst verstecken. Die Reaktion kommt unmittelbar von den Gefangenen. Die Sprache und Formulierungen, um von Göttlichkeit zu sprechen, passt sich dem Kontext an und ändert sich. „Gott ist schon längst da, bevor wir kommen“, meint Gefängnisseelsorger Lothar Dzialdowski, der im geschlossenen Vollzug der JVA Bielefeld-Brackwede arbeitet. Nach den Impulsen der Referenten der Berufungspastoral wird in der Runde weiter ausgetauscht. Die Person Moses rückt in den Mittelpunkt und kann etwas verdeutlichen. Woher komme ich, welche Identität habe ich und kenne ich meine eigenen dunklen Seiten? Gibt es Heilige Orte im Gefängnis und zu was fühle ich mich beauftragt? Das Bild am brennenden Dornbusch mit dem Zuspruch „Ich bin der Ich bin da ist“, ist Arbeitsauftrag und Realität hinter Gittern. Trotz tiefer Abgründe und dunkler Geschichten sind GefängnisseelsorgerInnen da, hören zu, geben Rückmeldung und sind emphatisch-konstruktiv gegenüber Menschen, die sich schuldig gemacht haben.

Absolute Vertrauenspersonen

“Wir glauben an die Göttlichkeit in uns, die uns in Jesus Christus immer wieder gezeigt wird. Eine barmherzige und gnädige göttliche Kraft, die die Zwischentöne sieht und anerkennt“, führt ein Teilnehmer aus. Über die Pharaonen auch im heutigen Alltag, wird beim Grillabend ausgetauscht. Viele Anekdoten und auszuhaltende Spannungsfelder erzählen sich die absoluten Vertrauenspersonen im Knast. Die Sehnsucht, die sich im Symbol des Segelschiffes in der gestalteten Mitte zeigt, verbindet sie mit allen Menschen. Besonders mit den Gefangenen und den Bediensteten an (un)heiligen Orten wie der einer Justizvollzugsanstalt.

Michael King

 

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