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Immer wieder neu Menschwerdung: Es lohnt sich, Mensch zu sein

20. Juni 2026

Sie hat die zwei letzten Weltkriege in Europa erlebt, war in die USA ausgewandert, um in Sicherheit zu sein, und ist in den Zeiten des Hasses und der Judenverfolgung wieder zurückgekehrt, um die Mutter in der rumänischen Heimat zu pflegen, sie wurde deportiert und war im Gefängnis, die Lyrikerin Rose Ausländer (*1901 + 1988)


Imme wieder neu Menschwerdung

Gott selbst hat sich bedingungslos eingelassen in den Menschen. Die Botschaft der Hingabe Jesu bis in den Tod ist doch, dass bis in die erlittene Hilflosigkeit, in das Alleingelassen sein, die Aussichtslosigkeit, die Angst, ja bis in den Tod Gott da ist, befreiend und Leben schaffend. „Zum Menschen bekenne ich mich mit allen Worten, die mich erschaffen“, so verdichtete Rose Ausländer ihr Bekenntnis für die Menschlichkeit. Angesichts aller Unmenschlichkeit hat dieses Bekenntnis die Kraft des Trotzdem: an Versöhnung glauben auch, wo sie nicht im Blick ist, trotz aller Spaltung im Bewusstsein der Verbundenheit aller sein, im Widerstand gegen den Krieg nicht selbst kriegführend werden. So zu leben bedeutet in Worten zu sein, „die mich erschaffen“: so geschieht immer wieder neu Menschwerdung. Das ist die Grundlage, die das Johannesevangelium im Prolog so aussagt: das Wort ist Fleisch geworden. Gott selbst hat sich in bedingungsloser Zusage der Liebe in alles verderblich Menschliche eingelassen. Es lohnt sich, Mensch zu sein.

Christoph Kunz | Matthäus 10, 26-33

 

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