„Jeder Mensch ist ein König und wertvoll, denn er hat eine unverlierbare Würde“, sagt Diakon Ralf Knoblauch, der in einem Bonner Brennpunkt-Stadtviertel bei den Menschen arbeitet. Er schnitzt kleine Männer und Frauen aus Holz als Botschafter der Menschenwürde und beherbergt sie in der ganzen Welt.

Eine Figur der Königin wandert durch das Erzbistum Berlin und besucht die Schulen in deren Trägerschaft. An einem Sonntag hat sie den Umweg in die Justizvollzugsanstalt Heidering bei Berlin geschafft. „Einmal ein König sein, wichtig und geachtet sein, nicht durch Geld, in einer woher auch immer genommenen Hierarchie, das wäre mega“, sagt ein Gefangener. Manche der inhaftierten Menschen hat sich das König-sein durch eine „besondere“ Straftat, das richtige Auto oder die passende Kleidermarke, ergaunert.
Bildgehauene KönigInnen
Alles begann mit einem Stück Treibholz. Die bildgehauenen Königinnen und Könige aus alten Holzbalken sind ein Lebensthema von Ralf Knoblauch. Über Tausend von ihnen hat er gefertigt. Sie touren durch die ganze Welt. Knoblauch arbeitet im Bonner Norden als Diakon, fast ausschließlich in der diakonischen Pastoral. Tannenbusch, Medinghoven, Brüser Berg, das sind sehr prekäre Stadtteile in Bonn. „Da bin ich oft mehr sozialarbeiterisch unterwegs und stehe für eine bestimmte Sozialpastoral, die wir dort verortet haben, mit vielen großen Projekten“, erzählt der Holzbildhauer. „Es ist ein sehr hartes Arbeiten, weil meine Königinnen und Könige fast ausschließlich aus alter Eiche sind, aus sehr hartem Holz. Das ist auch kein Schnitzen, was ich mache, das ist ein Bildhauen. Die klassischen Holzschnitzer, wie man sie vielleicht aus Südtirol oder aus dem Allgäu kennt, die Kruzifixe oder Krippenfiguren schnitzen, nehmen alle in der Regel ganz weiches Holz – wie Lindenholz oder Zirbenholz“, erläutert der Diakon.
Station im Knast
Knoblauchs Könige und Königinnen sind für ihn eine Art Verkündigung geworden. Sie sind Türöffner für viele Themenfelder. Die Skulpturen eröffnen auf anderen Ebenen Gespräche mit Menschen. So auch hinter den Gittern, an dem Ort, an dem die Würde eines jeden Menschen trotz Straftat(en) immer wieder neu gefunden und betont werden muss. „Die Verletzlichkeit eines jeden Menschen, letztlich ist keiner perfekt, jeder hat seine Macken und seine Fehler, die soll man auch erspüren können“, sagt Knoblauch in einem Interview. Die Gefangenen erhalten mit der Königin die Botschaft, dass alle Könige und Königinnen sind, weil die Menschen trotz dem Schuldigwerden Königskinder Gottes sind. Da zählen nicht Geld, Ansehen oder Superfähigkeiten. Ralf Knoblauchs Königskulpturen sind Menschen. „Menschen wie du und ich“, sagt die Gefängnisseelsorgerin Christina Barth. „Darum ist es gut, dass die Königin Station im Knast macht“, sagt ein Gefangener hinzu.
Christina Brath | JVA Heidering





