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Die Knast-Krippe und deren Figuren sind im Jugendvollzug zu sehen

26. November 2025

Zu Beginn der Adventszeit wird hinter den Mauern der Justizvollzugsanstalt Herford schon die Weihnachtskrippe aufgebaut. Das ist ungewöhnlich, weil sie eigentlich erst zum Weihnachtsfest bis zum Fest Mariä Lichtmess am 1. Februar steht. Die Knast-Krippe stell die Geburt Jesu in die Welt hinter den Gittern dar. Es geht nicht nur um das Ereignis vor 2025 Jahren, sondern um die Botschaft für die Gegenwart und die Zukunft.

Das erläutern die Gefängnisseelsorger den inhaftierten Menschen und den Bediensteten. „Letztes Jahr war die Knast-Krippe in der 84. Telgter Krippenkunst Ausstellung zu sehen“, erzählen sie. Jetzt zu Beginn des Advents mussten alle Verpackungskisten aufgemacht werden, um die wertvollen Figuren wieder ans Licht zu bringen. Geschaffen hat die Lindenholzfiguren der Holzbildhauer Rudi Bannwarth aus Ettlingenweier bei Karlsruhe. Im Jahr 2021 besuchte der Künstler die JVA und entwickelte mit jugendlichen Gefangenen diese außergewöhnliche und zum Nachdenken anregende Knastkrippe. „Wir wollten die Lebensrealität der Gefangenen hineinbringen in die Krippe“, erklärt Gefängnisseelsorger Michael King.

Ochs und Esel mit Paragrafzeichen

Die zwei Gefangenen, die behutsam und vorsichtig die Kisten öffnen, kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Sie sehen den Bediensteten in Uniform, die Hirten als kartenspielende Gefangene auf der Bank im Freistundenhof, der Großvater eines Gefangenen und eine Rechtsanwältin. „Wo ist denn der Jesus?“, fragt der 19-Jährige Timm. In der Knast-Krippe ist dies ein jugendlicher Inhaftierten mit seiner Anstaltskleidung, der auf seinem Haftraumbett sitzt. Dieser wird erst zum Abschluss der Vorbereitungen hineingestellt. „Die Botschaft der Geburt ereignet sich im heute und ist nicht nur ein Wiederleben alter Geschichten“, so sagt King.

Erste Besucherin ist die Ministerialdirigentin des nordrhein-westfälischen Ministerium der Justiz Caroline Ströttchen. Sie besucht den Jugendvollzug regulär und macht gerade einen Rundgang. „Das ist eine besonders beindruckende Krippe“, meint sie und schaut nachdenklich, als sie Ochs und Esel mit dem Paragrafzeichen an der Mauer entdeckt. „Jede und jeder kann interpretieren, was dies oder jenes in der Krippenszene bedeuten kann“, führt der Gefängnisseelsorger aus. Die Inhaftierten haben das „Pendel“, das von Haftraumfenster zu Haftraumfenster geht sowie den Ball im Sicherungszaun dazu gemacht.

Großvater Josef und Mutter Maria

Ist die Frau in der grünen Jacke kommt in den Fokus. Sie trägt ein Kissen mit einer Krone in den Händen. „Das könnte die Freundin eines Inhaftierten sein oder eine Sozialarbeiterin, die die Krone als Symbol für die Würde eines jeden Menschen zeigt“, mutmaßt einer der Gefangenen. Sichtlich stolz palzieren sie die Figuren auf dem Tisch mit der Kulisse der Justizvollzugsanstalt im ostwestfälischen Herford. „Der Engel mit den Flügeln muss in den Gang der Abteilung“, sagt bestimmend der 19-Jährige. Der Engel ist ein Auszubildener der Malerei. „Engel muss man im Knast suchen. Es gibt sie aber in manchen Mitgefangenen“, stellen die beiden jungen Männer fest. Der Großvater als Josef und eine Mutter als Maria leuchtet den beiden nichtchristlichen Jugendlichen am ehesten ein. „Meine Großeltern nehmen mich an wie ich bin. Ich bin auch bei ihnen aufgewachsen“, erzählt einer der beiden Helfer. Vorsichtig steckt er den „einschlagenden“ Stern in die entsprechende Position.

Knast-Krippe kann nicht angeschaut werden

Die nächsten große Besuchergruppen haben sich am Samstag zur Adventsausstellung in der ehemaligen Gärtnerei auf dem Außengelände der Justizvollzugsanstalt angesagt. Allerdings kann die Knast-Krippe nicht einfach vor Ort in der Anstaltskirche angesehen werden. Nur angemeldete Familienangehörige Bediensteter werden in den internen Bereich kommen und sie bewundern können. Die Knast-Krippe bleibt dieses Jahr hinter Gittern und entfaltet dort ihre Botschaft, die ebenso nach draußen strahlt. Vielleicht entdecken manche im Internet die eine oder andere Seite dieser Krippendarstellung. Mehr dazu…

Michael King

 

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