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125 Jahre Gefängnisverein in Düsseldorf

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Seit 125 Jahren hilft der Katholische Gefängnisverein in Düsseldorf Menschen in Haft. Es geht um Resozialisierung, aber auch um die Betreuung der Familien Inhaftierter. Viele Klischees zum Leben in Gefängnissen machen den Vorsitzenden, Martin Laufen, wütend. Allen voran der Glaube, dass es den Gefangenen im Knast viel zu gut gehe. „Als Gefangener lebt man zwar biologisch weiter, doch man ist lebendig eingemauert“, sagt der ehrenamtliche Vorsitzender des Gefängnisvereines und hauptberuflicher Richter.

Gegründet wurde der Katholische Gefängnisverein im Jahr 1893. Traditionell setzt er sich aus Mitgliedern der Kirche, der Kommune und Richtern zusammen. Schon zu seiner Gründung hatte sich der Verein das Ziel gesetzt, Gefangene zu resozialisieren. Eine Aufgabe, die bereits während der Haftzeit vom Verein verfolgt wird. So soll verhindert werden, dass Gefangene in der Parallelwelt des Gefängnisalltags verloren gehen. Denn die Mauern um das Gefängnis sind hoch, im wörtlichen und übertragenen Sinn. Die Gefangenen verbringen ein Großteil ihres Tages allein in ihren Zellen. Kontakte zu Freunden und Familie sind auf wenige Stunden im Monat begrenzt. „Das Leben im Gefängnis ist völlig leergesaugt“, sagt Laufen. Hinzu kommen oft weitere persönliche Probleme wie beispielsweise Suchterkrankungen. Das alles belastet die Inhaftierten und erschwert die Resozialisierung.

Deshalb ist Dominikaner Wolfgang Sieffert, Geschäftsführer des Gefängnisvereins, als Gefängnisseelsorger in der JVA Düsseldorf-Ratingen im Einsatz. Er spricht mit den Gefangenen über ihre Probleme und Sorgen. Unterstützt wird er neben jeweils zwei Seelsorgern und Sozialarbeitern durch rund 60 ehrenamtliche Helfer. Diese sind nicht an die Besuchslimitierungen gebunden und können sich somit regelmäßig um die Gefangenen kümmern. Das heißt in vielen Fällen, einfach nur eine Möglichkeit für Gespräche zu bieten. „Die Ehrenamtlichen bringen ein Stück weit Alltag in den Gefängnisalltag“, sagt Sieffert.

Die Ehrenamtlichen werden jedoch nicht völlig unbedarft in das Gefängnis geschickt, sondern müssen im Vorfeld einen Vorbereitungskursus absolvieren, wo sie grundsätzliche Informationen zum System des Strafvollzugs als auch Hinweise zur Gesprächsführung mit den Gefangenen bekommen. Auch die Organisation eines kulturellen Lebens hinter den Gefängnismauern ist Teil der Vereinsarbeit. So wird regelmäßig das von Gefangenen erstellte und von der Anstaltsleitung unzensierte Magazin “Ulmer Echo” herausgebracht. Früher gab viele weitere Angebote wie Theatergruppen oder Bands, doch das sei aufgrund der engen Personaldecke der JVA nicht mehr umzusetzen, wie Sieffert berichtet.

Neben den Gefangenen selbst sorgt sich der Verein auch um deren Umfeld. „Die Angehörigen sind unschuldig mitverurteilt“, sagt Wolfgang Sieffert. Insbesondere Kinder litten stark unter der Situation. Der Verein bietet den Familien seelischen Beistand beispielsweise durch Gesprächsgruppen, aber auch konkrete Hilfestellungen bei der Alltagsorganisation ohne den Inhaftierten. Auch nach der Haftentlassung kümmert sich der Verein weiter um seine Klienten. Sei es durch das Bereitstellen von Notschlafplätzen, über die er verfügt, oder das Vermitteln von Kontakten und Hinweise für die Jobsuche oder Hilfsmaßnahmen bei Suchterkrankungen oder anderen Problemen.

Nicht immer mit nachhaltigem Erfolg. Die Gründe für das Scheitern einer dauerhaften Wiedereingliederung in die Gesellschaft sind vielfältig und individuell. Neben dem abgeschotteten Haftsystem liegen die Gründe bei den Personen selbst. Das sei jedoch kein Grund für Missmut. „Ich habe ein positives, aber realistisches Menschenbild“, sagt Sieffert. Auch kleine Fortschritte wie zum Beispiel der Beginn einer Therapie seien ein Erfolg.

Daniel Schrader, RP online | Foto: Anne Orthen

 

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