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Sie ist die neue Anstaltsleiterin im Herforder Jugendgefängnis

1. April 2026

Martina Schuchert leitet seit Kurzem die Justizvollzugsanstalt Herford im Jugendvollzug. Sie erzählt von ihrem Berufsweg, tollen Erfahrungen und Herausforderungen im Umgang mit jungen Gefangenen. 260 Gefangene, 250 Mitarbeiter: Martina Schuchert ist seit 2. März Chefin in der Herforder Justizvollzugsanstalt. Was die 45-Jährige in der JVA Herford reizt und was sie im Alltag mit den jugendlichen Inhaftierten erlebt.

Leicht ist es nicht immer. Die Straftäter zwischen 14 und 24 Jahren haben meist keine einfache Vita, sind verhaltensauffällig, entwicklungsverzögert, haben psychische Probleme oder sind im Drogenentzug. „Da geht es deutlich impulsiver zu als in einer Anstalt mit Erwachsenen“, stellt Schuchert schon in den ersten Tagen in Herford fest. Sie ist bereits seit Juni 2022 als stellvertretende Leiterin und Verwaltungsleiterin in der JVA. Das große Ziel der Leiterin und ihrer Kollegen: Die jungen Leute, so gut es geht, auf das Leben nach dem Knast vorzubereiten. Und da zählen auch kleine Schritte auf dem Weg. Die zu sehen, mache Freude.

Die neue Leiterin am historischen Ort der Magistrale der JVA Herford, die 1882 gebaut wurde.

Es ist schön zu sehen…

„Eines meiner Highlights war das erste Sommerfest, das ich hier miterlebt habe. Da waren die Jungs auf der Tanzfläche vor dem DJ. Sie haben ausgelassen getanzt – und das vor anderen Inhaftierten. Trotz des geschlossenen Systems waren sie einen Nachmittag ganz normale junge Leute“, erzählt Schuchert. Und an noch ein tolles Erlebnis erinnert sie sich: Ein 16-Jähriger hätte in diesem Winter seinen ersten Schneemann gebaut. „Viele haben mit der Familie keine Unternehmungen gemacht. Es ist schön, zu sehen, wie viel Freude die Jugendlichen haben, wenn sie diese Erfahrungen hier nachholen“, erzählt die 45-Jährige. Manchmal geht es im Gefängnis aber auch anders zu. Sie erinnert sich an einen Vorfall mit einem psychisch auffälligen Gefangenen.

Kontakt zu Häftlingen

Schuchert: „Der war für sich und meine Kollegen gefährlich. Psychisch auffällige Gefangene belasten und fordern im Vollzugsalltag sehr. Wenn man das dann sieht, geht das nicht spurlos an einem vorüber“, sagt die JVA-Leiterin. Angst hat sie in ihrem Job dennoch nie gehabt. Natürlich komme es vor, dass Häftlinge Drohungen aussprechen. Daher gibt sie über ihr Privatleben auch nicht viel preis. Sicher ist sicher. Meist seien von solchen Situationen aber eher die Kollegen betroffen, die ganz nah mit den Gefangenen arbeiten. Da könne es schon mal etwas hochkochen. „Was ich aber toll finde, ist, dass die Kollegen den jungen Leuten immer wieder aufs Neue eine Chance geben, sich positiv zu entwickeln“, betont Schuchert. Sie selber sucht auch den Kontakt zu den Häftlingen. Einfach ein Büro-Job ist die Leitung einer JVA nämlich gewiss nicht. Die Arbeit sei extrem vielfältig. So arbeitet Schuchert im D-Flügel mit. Dort ist die Aufnahmeabteilung für die Strafgefangenen. „Hier wird gemeinsam überlegt, wie der Vollzug für den Einzelnen aussehen soll“, erklärt die neue Anstaltsleiterin. Im Gefängnis gibt es unterschiedliche Bereiche, in denen Gefangene untergebracht werden. Sie haben die Möglichkeit, hier ihre Ausbildung in unterschiedlichen Berufen zu machen. Zudem sind medizinisches Personal und Psychologen vor Ort – ein Konsiliarpsychiater kommt regelmäßig ins Haus.

Ein besonderer Charme

Eine Frau an der Spitze? Ungewöhnlich in ihrem Job? Martina Schuchert schüttelt den Kopf. Inzwischen seien 60 Prozent der Anstaltsleitungen in Nordrhein-Westfalen – hier gibt es 36 – weiblich. „Vor 20 Jahren, als ich Verwaltungsleiterin wurde, da war das noch anders“, erinnert sie sich. Die Mischung aus Männern und Frauen im Team mache eine gute Arbeitsatmosphäre aus. Das Wichtigste sei nicht, welches Geschlecht man habe, sondern der Zugang zu den Gefangenen. Was viele nicht wissen: In der JVA gilt auch für die MitarbeiterInnen: handyfreie Zone. So schließt Martina Schuchert  jeden Morgen ein. Denn würde es entwendet, sei es ein Sicherheitsrisiko. „Ich finde das sogar gut, man kann ohne Handy extrem gut und konzentriert arbeiten. Mein Umfeld weiß, dass ich eben erst am Abend auf mein Smartphone gucke und antworte“, sagt sie. Mit der Justizvollzugsanstalt Herford hat sie ihren „Traum-Standort“ gefunden. Das Gefängnis, das 1998 grundsaniert wurde, sei baulich mit seinen alten Backsteingebäuden einfach unheimlich attraktiv. „Es hat einfach einen ganz besonderen Charme“, findet die 45-Jährige. Letzte Frage an die Anstaltsleiterin: Gehen Gefangene wirklich in den Hof und laufen im Kreis, wie es oft in Spielfilmen zu sehen ist? Martina Schuchert muss ein bisschen lachen: „Ja, das ist tatsächlich so! Und alle gehen in dieselbe Richtung.“Warum? Das ist unklar. Vielleicht, weil einer losgeht und die anderen einfach folgen.

Kathrin Weegs | Mit freundlicher Genehmigung: Neue Westfälische, 30.3.2026

Martina Schuchert hat am 2. März 2026 ihre Ernennungsurkunde vom Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen erhalten und ist damit neue Leiterin der Justizvollzugsanstalt Herford. Sie tritt die Nachfolge von Elke Jungeblodt an, die Ende November 2025 in den Ruhestand gegangen ist. Bereits seit Juni 2022 ist sie in Herford – zunächst als stellvertretende Leiterin und Verwaltungsleiterin. Die Diplomverwaltungswirtin ist seit 1998 im nordrhein-westfälischen Vollzugs- und Verwaltungsdienst tätig.

Viele Jahre arbeitete sie in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede, wo ihr im Mai 2011 die Funktion der Verwaltungsleitung übertragen wurde. Ab Juni 2019 übernahm sie die kommissarische ständige Vertretung der Leitung der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede. Im Februar 2021 wechselte Martina Schuchert an die Justizvollzugsanstalt Detmold, wo sie als Verwaltungsleiterin und ständige Vertreterin der Behördenleitung tätig war.

 

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