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Marias nicht nur in brasilianischen Gefängnissen

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In Brasilien feierte man vor ein paar Jahren ein marianischens Jahr, 300 Jahre Nossa Senhora de Aparecida, Patronin von Brasilien. Maria und die vielen „Marias“ im Gefängnis, so stellt nicht nur die Frauen-Gefängnisseelsorge in Brasilien diese Frau in den Mittelpunkt. Maria, die Hoffnung gibt, wo es scheinbar keine Hoffnung gibt. Maria ist eine Frau inmitten der Menschen, die in einer ungleichen und patriarchischen Gesellschaft lebt.

Fragt man nach den „Marias” in den Gefängnis bei Inhaftierten nach, wer für sie Maria ist, bekommt man solche Antworten: “Maria kennt den Schmerz und die Sehnsucht , wenn sie an ihre Kinder denkt, Maria ist die weibliche Hand, die sich den Frauen entgegenstreckt, Maria ist ein Brunnen inmitten der gefangenen Frauen, Maria ist die Mutter der Barmherzigkeit…” Maria ist eine Frau inmitten der Menschen die in einer ungleichen und patriarchischen Gesellschaft lebt in der nur die mächtigen Männer reden können. Sie wohnt in Galiläa, im Dorf Nazareth, in einer armen und an den Rand gedrängten Region, wo ein widerstandsfähiges Volk lebt, das sich gegen die willkürliche Unterdrückung durch die Römer wehrt. In diesem Ort wird Jesus geboren. Wo würde Maria heute leben? In den ausgegrenzten Stadträndern, den unzugänglichen Hügeln der Städte, in den Armenvierteln, in den Gefängnissen? Wäre sie arm, schwarz, jung?

Maria in der Knastkirche mit Jesuskind, dessen Hand abgebrochen ist.

Mit Maria werden die Grundsätze dieser Gesellschaft gebrochen und wird das Neue geboren. Für Jesus war Maria mehr als nur seine Mutter. In ihr erkennt er eine Frau, die zur Geschichte der Menschheit gehört, in einer Gesellschaft in der die Frau kein (Mit-) Sprachrecht hat. Maria mit ihrer Spiritualität der „Armen im Herzen“ gibt den Armen und Unterdrückten ein Zeugnis des Glaubens und der Hoffnung. Den Gefangenen, den Vergessenen, im ständigem Kampf, der das Leben und die Würde verteidigt. Woher kommt diese Bevorzugung Gottes zu den Armen? Wer ist überhaupt arm?

Dr. Afonso Murad gehört zur Gemeinschaft der Maristen, er drückt es so aus: “Gott erwählt zuerst die Armen, weil er barmherzig ist und sich den Bedürftigen zuwendet. Das ist die Strategie seiner allumfassenden Liebe. Er liebt alle gleich, aber er kommt zuerst denen zu Hilfe, die es am nötigsten haben”. Die Kraft, die von Maria für so viele “Marias” in den Gefängnissen ausgeht, ist ein Kampf um die Freiheit von Frauen um Männern, die im Gefängnis eine Welt erfahren, die das Leben zerstört. Diejenigen, die die schon ausgegrenzten sozialen Gruppen in Verliese steckt, ganz weit weg. Diejenigen, die jeglichen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind. Und in dieser an Strafe und den Männern orientierten Gesellschaft wird die gefangene Frau noch nicht einmal als Frau anerkannt! Hinter den Wänden der Gefängnisse sind die Frauen in der Minderheit. Die letzten Jahren der massenhaften Gefängniseinweisungen in Brasilien betrifft es Frauen im großem Ausmaß; sie nehmen ihnen die Selbstbestimmung, ihre Wünsche, ihre Entscheidungen, ihre familiären und gefühlsmäßigen Beziehungen.

„Maria ist eine Frau, die ganz Gott gehört, mit einem Bewusstsein für die Geschichte, des sozialen Engagement, der Hoffnung.” Auf gleiche Weise haben die gefangenen Frauen ein Bewusstsein für ihre Leben außerhalb der Gefängnismauern, sie kämpfen für ihre Kinder, für ihre Würde und sie leben den nie endenden Traum eines besseren Lebens. Nur wer die Gefängnisumwelt kennt, diesen Ort an dem die Grund- und Menschenrechte systematisch verletzt werden, diesen Ort der erniedrigenden Lebensbedingungen und der Folter, wird die Kraft der Liebe und der Hoffnung verstehen, die in diesen vielen gefangenen Marias lebendig ist; diese mehr als 40.000 Frauen, die widerstehen und durchstehen, trotz der schrecklichen Situation in brasilianischen Gefängnissen.

In den Gesprächen mit den Frauen im Gefängnis wird eine Figur Marias besonders deutlich. Die „Mutter Gottes“ ist immer gegenwärtig. Sie hilft in schwierigsten und dunkelsten Stunden, in den stinkenden und übervollen Zellen, in der Einsamkeit und der Sehnsucht nach den Kindern und den Familienangehörigen. Es sind eingesperrte Marias, Frauen voll von Träumen und Bedürfnissen, die lieben und die ihre Rechte geachtet sehen wollen, jedoch gebrandmarkt sind vom Staat, der ihre Würde verletzt und ignoriert; so wie Maria von Nazareth, eine Frau aus einem so vergessenen Ort, die die Liebe von tief innen kannte. Sie hat diese Liebe zu Gott ernstgenommen und nahm ihre Aufgabe mutig an, die Mutter des Sohnes Gottes zu sein. Möge der Glaube an Maria uns helfen im Einsatz für eine Welt, wo wir alle in Freiheit und Würde leben wollen.

Schwester Petra Silvia Pfaller mc, Vorsitzende der Frauengefángnisseelsorge in Brasilien
Luisa M. Cytrunowicz, Mitglied des juristischen Teams der nationalen Gefängnisseelsorge Brasiliens

 

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