In der Parkgarage in Oldenburg läuft ein hagerer Mann mit ungepflegtem Vollbart. Ein Autofahrer, der sein Fahrzeug abstellt und nun in die Stadt geht? So sieht es zumindest aus. Doch weit gefehlt. Die Person verschwindet plötzlich neben einem der geparkten Autos am Rand. Hier ist sein Schlafplatz eingerichtet.


Parkhaus ist ein kühler Ort
In der Hitze ist das Parkhaus am Oldenburger Hauptbahnhof ein kühler Ort. Ein großer Rucksack steht an der Mauer angelehnt. Mitten auf der Abstellfläche ein Bündel „Mensch“ in seinem Schlafsack. Die Person hat sich darin verkrochen. Fährt ein PKW schnell in die Parkbucht ein, könnte es gefährlich für ihn werden. Niemand scheint das zu kümmern. Eine Frau steht mit ausreichendem Abstand in Reichweite und ruft die Ordnungsbehörde an. Bis sie jemanden ans Telefon bekommt dauert gefühlt Stunden. Der angerufene Mitarbeiter gibt sich gelassen: „Das kommt immer mal wieder vor. Sprechen Sie die Person an oder rufen Sie 112 an, wenn Sie das Gefühl haben, dass dieser Hilfe braucht“, sagt dieser karg. Mittlerweile hat sich der Mann spurlos in seinen Schlafsack eingewickelt. Ihn jetzt dabei stören? Lieber nicht, und so geht die anfangs besorgte Frau einfach weiter.
Hitze genauso gefährlich wie Kälte
Der GuteNachtBus, eine franziskanische Initiative in Düsseldorf, ist in den Sommermonaten ebenfalls unterwegs. Der Ehrenamtler Thomas Bierholz sagt im domradio-Interview, dass bedürftige Menschen der Sonne schutzlos ausgesetzt sind. „Sie trinken zu wenig, weil das Geld nicht da ist, um sich entsprechend viel Flüssigkeit zu kaufen. Der Asphalt heizt sich auf. Das führt zu Verbrennungen an den Liegestellen. Oft setzen sie sich in den Schatten, schlafen da ein, weil sie keinen geregelten Schlafrhythmus haben und nachts kaum durchschlafen. Dann wandert die Sonne und auf einmal liegen sie in der prallen Sonne“, erzählt er.
Oldenburger Straßenengel
Die Oldenburger Straßenengel e.V. helfen obdachlosen Menschen und Menschen in ähnlich schwierigen Lebenslagen. Sie sind wie die Oldenburger Tafel in den Straßen der Stadt präsent. Die Straßenengel verteilen Essen an Obdachlose und Bedürftige. Die Helfer erleben dabei bewegende Geschichten und urteilen nicht. Denn sie sind überzeugt, dass jeder auf der Straße landen kann. „Wie dieser Mann im Parkhaus gibt es noch viele andere, die Kühle suchen. Und das ist im Parkhaus gegeben“, sagt eine Mitarbeiterin. Am nächsten Tag ist der Parkplatz wieder reserviert für den wohnungslosen Mann. Der Schlafsack liegt mittendrin bereit und zeigt an, dass da kein Fahrzeug parken kann, sondern jemand hier übernachtet.
Michael King





