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Zur Werler Gefangenenwallfahrt zu kommen tut gut

1. Juli 2026

Für den Erzbischof von Paderborn, Dr. Udo Markus Bentz, ist eigens ein Parkplatz freigehalten. Mit seinem Fahrer fährt er mit einem grauen Elektrofahrzeug ID 7 vor. Bentz kommt zur 4. Gefangenenwallfahrt auf dem Gebiet des Erzbistum Paderborn in die nordrhein-westfälische Stadt Werl. Es ist seine erste Begegnung in diesem Rahmen zu inhaftierten Männern und Frauen unterschiedlichen Alters.

Reservierte Plätze gibt es noch für Justizfahrzeuge mit dem blauen Streifen mit der Aufschrift Justiz. Aus acht Justizvollzugsanstalten des Landes Nordrhein-Westfalken kommen inhaftierte Menschen und deren Bedienstete in Zivil morgens um 9.30 Uhr an: Aus dem offenen Vollzug der JVA Attendorn, Castrop-Rauxel, Hövelhof, Bielefeld-Senne sowie aus dem geschlossenen Vollzug der JVAen Schwerte, Werl, Bielefeld-Brackwede und Hamm. Es sind Menschen, die sich derzeit in Haft oder in der Sicherungsverwahrung befinden. Manche haben im vergangenen Jahr schon einmal teilgenommen.

Inhaftierte aus dem Offenen Vollzug

Manche haben sich „rausgeputzt“, um bei der Wallfahrt gut auszusehen. Man erkennt nicht, wer Bediensteter und Inhaftierter ist. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der JVA Werl wird für einen Gefangenen gehalten, genauso wie ein Gefängnisseelsorger für einen Inhaftierten im Jugendvollzug. „Das ist das Schöne an dieser Wallfahrt, vor Gott sind wir alle gleich“, sagt eine junge Frau aus dem Hafthaus Ummeln in Bielefeld. Die eintreffenden Gruppen stürzen sich draußen auf die Bänke und in den Speisesaal. Solche belegten Brötchen gibt es im Knast nicht. „Wenn es Dir gut tut, dann komm“, diesen Titel hat das Wallfahrtsteam anlehnend an die Worte von Papst Franziskus für die Gefangenenwallfahrt ausgewählt. „Natürlich tut es gut einmal raus zu kommen“, erzählt ein Sicherungsverwahrter aus Werl. Die meisten der TeilnehmerInnen kommen aus dem Offenen Vollzug. „Da ist es einfacher mit der Genehmigung der Teilnahme“, stellt ein Bediensteter aus der JVA Schwerte fest.

Kommen, wie man ist

Im Klostergarten beginnt die Begrüßung. Rund 120 Menschen kommen zusammen. Sie stehen im Schatten der Bäume. Die Mitarbeiterin des Wallfahrtsteams, Ursula Altehenger, heißt über das Mikrofon alle herzlich willkommen. Altehenger macht dies nicht zum ersten Mal. Sie kennt Pilgergruppen. „Doch diese Gruppe ist anderes als andere“, sagt sie. Die Menschen setzen sich in Bewegung und gehen in einer Art Prozession zur nahegelegenen Marienkapelle auf der Gänsevöhde. Niemand der Passanten weiß, dass die Menschen Inhaftierte und Bedienstete sind. Nur die Fahrzeuge auf dem Parkplatz deuten darauf hin. Die Leute sind es gewohnt, solche Pilgergruppen in der Stadt zu sehen. In die denkmalgeschützte Kapelle treten einige ein. An diesem Ort im Park wird das Pilgerheft verteilt. Auf der ersten Seite ist ein Spiegel eingeklebt. In den Gefängnissen sind Spiegel aus Sicherheitsgründen aus Plastik und man kann oft nur matte Umrisse erkennen. „in diese kleinen Spiegel im Heft kann ich mich klar erkennen“, witzelt ein junger Mann und zündet sich eine Zigarette an. „Jesus stellt keine Bedingungen, als er mit dem Betrüger Zachäus spricht. Er darf kommen wie er ist. In dieser Weise wie wir alle heute“, erzählt Altehenger mit ruhiger Stimme.

Jede und jeder ist gemeint

Der Erzbischof wartet an der Heiligen Pforte der Wallfahrtsbasilika Mariä Heimsuchung. Der Kirchenmann im Bischofsgewand und dem roten Bauchgürtel“ kennen die inhaftierten Menschen oft nur aus dem Fernseher. Die 120 Leute treten durch die Heilige Pforte in das Kirchengebäude. Eine kühle Luft ist im Innenraum. „Da kann man es gut aushalten“, bemerkt ein älterer Mann mit Gehstock. „Das Programm ist nicht in starrer Form vorbereitet. Jeder kann tun, was im guttut“, meint Altehenger. Dazu gehört, einmal hinter den Altar zu gehen, die Marienstatue zu bestaunen, Kerzen zu entzünden oder sich im Meditationsraum im Pilgerhaus aufzuhalten. Dort läuft leise Musik. Die Angebote werden gerne genutzt. Im Klostergarten schaut sich ein Inhaftierter die Schilder an und bei der Heiligen Pforte telefoniert jemand aufgeregt mit seinem Smartphone. Zum Mittagessen gibt es Gulaschsuppe. Am Nachmittag feiern die Teilnehmenden mit Erzbischof Bentz den Gottesdienst. In seiner Predigt sagt Bentz, „dass wir heute wie Zachhäus auf Bäumen sitzen bleiben, weil wir zu stolz sind, weil wir uns nicht verändern wollen“, so der Pfälzer. Zachäus klettert auf den Baum, um Jesus zu sehen. Der Zöllner klettert aber wieder hinunter, weil Jesu mit ihm in seinem Haus Abendessen möchte. „Jede und jeder von uns ist gemeint. Wann haben Sie einen Menschen erlebt, der Ihnen etwas zutraut ohne Kriterien aufstellen zu wollen?“, fragt der Erzbischof die ZuhörerInnen. In der Basilika ist es still. Hier und da wird zustimmend mit dem Kopf genickt.

Michael King

 

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