In der Geschichte der Gefängnisseelsorge gab es schon früh Publikationen. Bereits 1925 wurde die Pastoralinstruktion vom Fürstenbischof Kardinal Bertram in Breslau für die Vereinigung der katholischen Strafanstaltsgeistlichen auf dem Gebiet von Preußen veröffentlicht. In den 1980 er Jahren ist eine Bundesstelle der Gefängnisseelsorge in Fulda eingerichtet worden. Die Personalkörperschaft von Tätigen in der Gefängnisseelsorge hat sich 2017 zu einem gemeinnützigen und kirchlichen Verein weiterentwickelt.
Die damaligen „Mitteilungen“ zeugen von der Auseinandersetzung zwischen Priestern und den immer mehr hinzukommenden „Laien-TheologeInnen“, die hinter den Mauern als GefängnisseelsorgerIn tätig sind. Heute ist das eine Selbstverständlichkeit. Kaum jemand der Bediensteten und inhaftieren Menschen unterscheiden zwischen den pastoralen Berufsgruppen. Nur in den sakramentalen Handlungen und gottesdienstlichen Feiern haben sie spezifische Aufgaben. Das Zeugnisverweigerungsrecht vor Gericht und das sogenannte Beichtgeheimnis haben sie alle. Und das ist gut so. Das ist gesetzlich verankert.
Wen interessiert Strafvollzug
Die Publikation hat sich zu einer Fachzeitschrift weiter entwickelt. Es sind keine „Mitteilungen“ mehr, sondern eine Stimme in der Presselandschaft in Sachen Strafvollzug, Resozialisierung und den Aufgaben der Kirchen hinter den Mauern. Religionssensibles Handeln ist in diesem Arbeitsfeld aufgrund der interkulturellen und interreligioösen Realität längst Standard. Bekehrungs- und Missionierungsversuche zu „einer Besserung des straffälligen Verhaltens“ ist nicht das Ziel. „Im Knast ist man längst weiter mit der Ökumene und der Interreligiösität“, sagt ein Gefängnisseelsorger. GefängnisseelsorgerInnen sind unabhängige und absolute Vertrauenspersonen im Strafvollzug. Durch die Öffentlichkeitsarbeit hat die ökumenische Gefängnisseelsorge eine Stimme. Ob sie gehört wird? „Mit Strafvollzug kann man keine Freunde gewinnen“, sagt ein Anstaltsleiter. Kaum jemand interessiert, was hinter den Mauern passiert. „Hauptsache weggesperrt und die Gesellschaft ist sicher“, meint ein Passant, der an den Gefängnismauern vorbeispaziert.
Würde des Menschen
Umso mehr ist die Publikation mit dem Namen AndersOrt ein Sprachrohr an dem Ort „im Ort“. Hier spiegelt sich die Gesellschaft wieder und an diesem Ort ist ein sozialer Brennpunkt. Die Gefängnisse sind ein Gradmesser, wie mit Menschen umgegangen wird, die sich schuldig gemacht haben. Die christliche Botschaft kann dazu einiges beitragen. Die Würde des Menschen macht nicht Halt vor Straftaten. Konsequenzen aus strafbaren Handlungen folgen, das ist unbestreitbar. Nur ist die Frage, ob die Gesellschaft Veränderungspotenzial eines Menschen zulassen kann. „Sie werden wieder unsere Nachbarn sein“, ist ein Spruch, der immer wieder gesagt wird. Nur ist dieser Ausspruch oft in Abgrenzung von „sie“ und „ich“ mit einer inneren Abgrenzung einhergehend. „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“, sagt Jesus zu den Leuten, als sie die „Ehebrecherin“ steinigen wollten. Ehebruch ist nicht mehr strafbar und auch die Todesstrafe gibt es in Europa zumindest nicht.
Plattform des Diskurses
Zu all den Themenkomplexen ist der AndersOrt als Printmedium und als Online-Ausgabe eine der Stimmen neben den Straffälligenhilfe-Vereinen. Seit 2011 wird die Fachzeitschrift kontinuierlich 2 x jährlich veröffentlicht. Die katholische Publikation ist ökumenisch ausgerichtet. Es gibt auf vielen Ebenen Kooperationen mit der Evangelischen Konferenz für Gefängnisseelsorge in Deutschland sowie zu muslimischen Seelsorgern vor Ort in den Justizvollzugsanstalten. Bekenntnisfreien Menschen steht die Gefängnisseelsorge als Ansprechpartner zur Verfügung. Zum Diskurs will der AndersOrt gesellschaftlich wie kirchlich beitragen. Die Veröffentlichung will somit zur Weiterentwicklung und zur Bewusstseinsbildung beitragen. Sie ist nicht das Alpha und Omega und auch nicht der Besitzer einer Wahrheit. In 15 Jahren hat sich vieles verändert. Doch im Strafvollzug scheint dies nicht immer anzukommen. GefängnisseelsorgerInnen begleiten kritisch konstruktiv den Strafvollzug „als Öl und Sand im Getriebe“, wie es ein verstorbener Gefängnisseelsorger einmal ausdrückte. Archiv…
Michael King






