„Notiz fürs nächste Jahr: Dem Gefängnisseelsorger frühzeitig absolutes Reiseverbot für Fortbildungen in Hünfeld erteilen!“ – diesen Satz diktierte mir der Sicherheitsdienstleiter (SDL) schmunzelnd in den Block, als ich nach meiner Rückkehr vom Ausbildungskurs der Gefängnisseelsorge im St. Bonifatiuskloster in Hünfeld sein Büro besuchte.
Der Grund für das Seufzen des SDL? Ich war vollgepackt mit kreativen, Ideen aus der Fortbildung zurückgekehrt. Mein Masterplan zur Steigerung der interdisziplinären Work-Life-Balance im Vollzug las sich wie die Wunschliste eines Jahrmarkts: Eine Popcornmaschine? Genehmigt! Eine elektronische Dartscheibe für den gezielten Stressabbau? Genehmigt! Eine Soundanlage inklusive USB-Stick für die richtige Untermalung? Genehmigt! Und als absolute Krönung des Ganzen: ein Profi-Waffeleisen. Ebenfalls genehmigt. Man sieht: Der Austausch mit den KollegInnen in Hünfeld war hochgradig fruchtbar – und der SDL bewies bei der Prüfung der Wünsche bemerkenswerte Nervenstärke und Humor.
Für das ganze „System“ zuständig
Zugegeben, die Dartscheibe hängt noch nicht, aber die Waffeleisen haben ihre Generalprobe bereits hinter sich. Und was für eine! Wir haben einen ganzen Tag lang die Anliegen beiseite gelegt, die Ärmel hochgekrempelt und ganz bewusst nur eines getan: Waffeln gebacken. Und zwar ausschließlich für die MitarbeiterInnen der JVA. Das hatten wir im Vorfeld auch genauso per E-Mail angekündigt, was im ersten Moment vielleicht für Erstaunen vor den Bildschirmen gesorgt haben mag. Denn seien wir ehrlich: Im normalen, oft grauen Alltag erleben uns die MitarbeiterInnen meistens nur im „Gefangenenmodus“ – auf dem Weg zu den Inhaftierten oder mitten im Einsatz für sie. Die Gefangenen stehen naturgemäß im Fokus unserer Arbeit. Dadurch werden wir oft primär als Gefangenenseelsorge wahrgenommen. Dass wir aber als GefängnisseelsorgerIn für das gesamte System und jeden Einzelnen, der hier seinen Dienst tut, da sind, geht im Trubel manchmal unter. Schon die Ankündigung, dass wir einen Tag lang nur für das Personal ansprechbar sind (und das auch noch bei Waffeln und Puderzuckerduft), löste eine Welle an positiven Reaktionen aus.
Einfach einmal zusammensitzen
Logistisch war das Projekt eine Herausforderung, weil wir schon Tage vorher alles Mögliche in die JVA bringen mussten und uns zudem dafür entschieden haben, den Waffelteig live vor Ort vorzubereiten. Der Tag selbst war trotz stundenlangem Dauereinsatz am heißen Eisen sehr kurzweilig. Jeder durfte vorbeikommen, sich den Teller nach Herzenslust vollpacken und das tun, was im Dienst oft zu kurz kommt: einfach mal zusammensitzen, durchatmen und quatschen. Es wurden keine Anliegen bearbeitet, sondern Waffelbeilagen verteilt. Und zwischen Kirschen, Schokostreusel, Sahne und Teig entwickelten sich unerwartet gute, tiefgründige und lockere Gespräche. Eine rundum gelungene Aktion, die uns gezeigt hat, dass Seelsorge manchmal eben auch durch den Magen geht. Weil es so schön war (und die Popcornmaschine ja auch noch eingeweiht werden muss), planen wir im Herbst definitiv eine Wiederholung. Schließlich haben dem SDL die Waffeln ja auch geschmeckt.
Rezept und Tipps bei Gerd Wagner | JVA Dieburg





