Fünfzehn jugendliche Inhaftierte gehen mit eiligen Schritten in die Anstaltskirche. Gefolgt von fast so vielen Bediensteten am Ende der Gruppe. Sie schauen sich in der Kirche um und unterhalten sich angeregt. Einer bietet dem anderen ein Bonbon an. Erwartungsvoll blicken sie auf das schwarze Tuch und die riesige Kerze auf dem Altar. Alles wie immer sonntags, möchte man meinen.
Doch warum ist diese Nacht so anders als alle anderen Nächte? Der frühe Ostermorgen bricht an. Die Uhr im Zentrum des „Spiegels“ der JVA zeigt 9.15 Uhr. Manche der Gefangenen können die Zeit der analogen Uhr nicht lesen. Sie benötigen auch keine Uhr, weil sie die Durchsage zum Gottesdienst über die Lautsprecheranlage hören. Die Nacht ist vorbei. Die Kirchenglocke der JVA läutet. Es gibt Rufe von den Haftraumfenstern, dass diese zu laut sei. Die Inhaftierten kommen zur Ruhe, das erste Lied wird auf Gitarre gespielt.
Sag etwas…
Warum ist die Nacht so anders als alle anderen Nächte? Die Frage scheint nicht verstanden zu werden. Für die Gefangenen ist es eine Nacht wie jede andere auch. Sonntag gibt es die Möglichkeit die Zeit zu strukturieren und nach dem Gottesdienst ein Kaffee zu trinken. Der Gefängnisseelsorger bittet einen Gefangenen, die neue Osterkerze zu halten. „Wie lange brennt die denn“, fragt einer. Bestimmt zwei Jahre. So lange ist der Jugendliche in Haft. Ein anderer entzündet die Kerze und stellt sie auf den Kerzenhalter. Kleine Kerzen werden nacheinander entzündet. Ein Gefangener singt in Begleitung eines anderem am Klavier „Say something„. Im Song werden Abbrüche in Beziehungen, Tod und Krankheit besungen und der Aufruf im Refrain „etwas zu sagen“. Ein Mutmachlied trotz den schmerzlichen Lebenserfahrungen.
„Steh auf“ Haltung
Auferstehung – dass ist so anders in dieser Nacht. Die Nacht wird durchgestanden und neues Leben beginnt. „Hier im Knast kann ich nicht neu anfangen“, sagt resigniert ein 21-Jähriger, der zum zweiten Mal inhaftiert ist. Er wird berichtigt von einem anderen, der sagt: „Doch, wenn ich eine gute Nachricht von draußen beim Besuch bekomme und ich die Zwischenprüfung als Schlosser schaffe.“ Es gibt sie also, die „Steh auf“ Haltung. Die Musik von Christina Aguilera mit der Stimme des Gefangen geht unter die Haut, wie einer sagt. Am Ende applaudieren Bedienstete wie die Gefangenen. Ostern im Knast und die Nächte dort verändern. „Trotz alledem und gerade deshalb“, sagt ein Bediensteter, „sind hier alle Menschen.“ Während des Kaffeetrinkens sitzen die Gefangenen am Klavier und singen nochmals „Say something“.
Michael King





