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Momentaufnahme: Muss mich nicht verstellen und nicht rein waschen

3. April 2026

Momentaufnahmen halten manchmal mehr fest als einen Moment. Sie können wie ein Porträt Charakter ausdrücken. Das Wesen einer Person wird sichtbar, nicht nur ihre Oberfläche. Das muss nicht unbedingt ein schönes Bild sein, es geht nicht durch einen Hochglanzfilter – stattdessen erzählt es Geschichte.

Momentaufnahme – echtes Porträt

Ein Künstliches-Intelligenz (KI) Bild ist vielleicht für den ersten Blick ein Hingucker, ein echtes Porträt bleibt im Herzen. Es zeigt weniger, wie jemand aussieht, sondern wie jemand ist. Es idealisiert nicht, es spiegelt wider. Es hat Seele. Wer ein gutes Porträt erstellen will, zwingt den Menschen nicht in eine bestimmte Pose. Es geht nicht um das ewig gleiche Setting. Stattdessen kommt es darauf an, einen Raum zu eröffnen, wo jemand loslassen und Masken absetzen kann, wo nach außen dringt, was im Menschen ist. Der Gründonnerstag, insbesondere das Evangelium von der Fußwaschung, ist als Momentaufnahme ein echtes Porträt. In diesem Bild ist ungefiltert bewahrt, wie Jesus ist. Im Abendmahlssaal und bei vielen anderen Gelegenheiten war offensichtlich der Raum, wo das Innerste Jesu erlebbar, wo sichtbar wurde, was in ihm ist.

Mit Jesus nicht groß rauskommen

Die Jünger allerdings hatten ein anderes Setting vor Augen: Jesus lässt sich die Füße waschen und bedienen. Der Meister steht oben. Dieses ewig gleiche Setting durchbricht Jesus. Fußwaschung ist kein hübsches Ritual, sondern die Arbeit derer, die ganz unten standen. Jesus zeigt, wo er sich sieht und wie er sich versteht. Petrus scheint es – ebenfalls in einem Moment – zu erahnen, dass hier ein ganzes Weltbild zerbricht, und dass man mit Jesus nicht groß raus kommt. Die großen Einzüge bei feierlichen Gottesdiensten – sind sie nicht das krasse Gegenbild zum Jesus der Fußwaschung? Gründonnerstag sehen wir den, der sein Gewand ablegt, nicht den, der sich eine Mitra aufsetzen lässt oder mit Titeln dekoriert ist… Jesus liegt es fern, dafür bewundert und beweihräuchert zu werden.

Nicht rein waschen

Bewundern schafft immer Distanz. Eine stehende Ovation ist nicht sein Ziel. Er spricht davon, ein Beispiel zu geben. Beispiele sind Gebrauchsanweisungen. Es ihm gleich zu tun ist die einzige Form wahrer Verehrung. Füße zeigen wir nicht so gern. Der beste Nagellack überdeckt keine Hornhaut, keine Narben und Risse. Füße sind intime Körperteile. Jemandem die Füße zu waschen, bedeutet, ihn dort zu berühren, wo er ungeschützt ist, wo er nicht glänzt. Die Momentaufnahme des Jesus des Gründonnerstags, diese Wesensoffenbarung, lädt mich ein, mich von Jesus berühren zu lassen wie ich bin. Ich muss mich nicht verstellen, nicht aufhübschen, nicht schminken, nicht rein waschen. Und wir sehen Jesus, der es ebenso wenig tut. Der sich zeigt wie er ist, nicht in die Rolle des Dienenden schlüpft, sondern Dienender ist.

Bernd Mönkebüscher | Titelbild: Besen und Schrubber im Knast

 

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