Frühmorgens gegen 7.30 Uhr ertönt in der JVA die Durchsage: „EINSCHLUSS! Alle Gefangen sofort verschliessen.“ Eine derartige Mitteilung kommt äusserst selten vor. Das Personennotgerät (PNG) teilt den Umstand wenige Sekunden später mit. Aus meinem Bürofenster sehe ich die „Sanis“ in weißer Kleidung in das Betriebsgebäude rennen. Erinnerungen steigen in mir auf, als sich vor drei Jahren ein Jugendlicher
suizidierte. „Hoffentlich ist der Vorfall heute nicht so schlimm“, denke ich.

Notarzt im Knast
Ich nehme meine Jacke und eile durch zwei große Tore hindurch in die Schlosserei. Dort erwarten mich zwei Kollegen des Allgemeinen Vollzugsdienstes (AVD) in Uniform. Bevor ich „Guten Morgen“ sagen will kommt der Kommentar: „Die letzte Ölung braucht der Gefangene aber noch nicht.“ Es sei doch nicht ganz so schlimm. Ich kontere, dass ich das Chrisamöl jetzt wohl umsonst mitgenommen habe. Ein junger Gefangener ist bewusstlos zusammengebrochen. Ist NPS, die neue psychoaktive Substanz, die auf Papier aufgesprüht und geraucht wird, verantwortlich dafür? Der Rettungswagen fährt ein, kurz danach der Notarztwagen.
Erzählen können
Es ist nicht so einfach sehr schnell ins Gefängnis zu gelangen. An allen Toren stehen KollegInnen im strömenden Regen. Ein Bereichsleiter hat seine weiße Justiz-Mütze aufgesetzt. „Damit die Rettungssanitäter und der Notarzt wissen, wer die Kappe aufhat“, scherzt einer der Kollegen. Kurze Zeit später gibt es Entwarnung: der Gefangene geht mit den Notfallsanitätern zum Krankenwagen. Zur Sicherheit wird er in Begleitung zweier Bediensteter ins Krankenhaus gefahren. Ich bleibe noch einige Minuten bei den Kollegen stehen. Bei dieser Gelegenheit erzählen sie mir eine andere Geschichte von vor einigen Wochen. Da fand ein Kollege einen Inhaftierten im Haftraum am Boden liegend vor. Seine Kenntnisse in ungarischer Sprache halfen ihm, sich mit dem Gefangenen zu verständigen. Auch dieser kam in die Klinik.
Im Justizvollzug sieht jeder Tag anders aus und geht nicht vorhersehbar zuende. In diesem Fall – an diesem Morgen – konnte ich als Gefängnisseelsorger einwenig „Chrisam“ für das Befinden des Bediensteten sein, dem seine gemachten Erlebnisse weiter präsent sind und er davon erzählen konnte.
Michael King
Chrisam-Messen.
Offenbarend sind sie.
Zeigen was „katholisch“ ist.
In den Augen mancher Männer.
Männer.
Verwalten Sakramente.
Das geweihte Chrisam.
Ist nur von Ihnen.
Zu spenden.
Unersetzlich wie sie sind.
Meinen sie.
Sie füllen die Dome.
Ziehen ein zu zweit.
Mit ernster Miene.
Feierlich entrückt.
Unter dem Brausen der Orgel.
Frauen.
Sie tragen Gefäße mit dem Chrisam.
Zum Altar.
Immerhin.
Mehr geht nicht.
Meinen die Männer.
Frauen singen im Chor.
In Höhen die Männer nicht erreichen.
Wenigstens das können sie.
Müssen die Männer akzeptieren.
Frauen lesen die Lesung.
Seht her sagen die Männer.
Was möglich ist.
Habt doch Geduld.
Männer erneuern Gelübde.
Feierlich im Gewand.
Sagen Ja. Unisono.
Dem Bischof ins Angesicht.
In Gottes Namen.
Frauen gehen hin.
Einfach so.
Ohne große Worte.
Wohin Männer gesandt sind.
Versprochen im Versprechen.
Ein Kardinal in Köln.
Betont wer predigen darf und wer nicht.
Was Wort Gottes Feiern anrichten.
Was katholisch ist und was nicht.
In seiner Predigt.
Abgelesen. Versteinert.
Er sei angekommen meint er.
Gestern noch.
Seine Kritiker längst entlarvt.
Ohne Euch.
Über die sie sich erheben.
Wäre Kirche leer.
Glaube tot.
Evangelium Museum.
Glaubt.
Der Himmel ist weit.
Klaus Scheunig






1 Rückmeldung
Es bedürfte einer grundlegenden Kirchen-Korrektur… aber das ist sinnlos, trotz des beendeten Synodalen Weges 🙆♀️ Der Inhalt, der in dieser allgemeinen Männerkirche existiert, gehört korrigiert. Aber das ist alles nicht mehr mein Thema! Da drehen sich die pastoralen MitarbeiterInnen und angeblich offen-denkende Priester im Kreis und nichts ändert sich. Nur die Verlaubarungen der konservativen Seite werden im kleinen Kreis betont und gepflegt. Manche bewundern das aus der Ferne. Solch ein Prunk und eine sichere Ordnung…
Ich gehe davon aus, dass die Katholische Kirche nicht reformierbar ist. Die Kehrtwende wieder zu mehr „katholisch sein“ ist eingeläutet, was auch immer das heißen mag. Übt man Kritik und feiert man in anderen Formen, wird einem das „katholisch sein“ sogar gar ganz abgesprochen. Die Gefängnisseelsorge in der staatlichen Einrichtung leistet einen guten Dienst. Die Realität hinter den Mauern schützt sie vor kirchlicher Verengung und lebensfremder Eintstellungen. Das ist paradox, ist aber Teil des Dienstes hinter Gittern.
Ist das allerdings nur eine einzelne seelsorgerliche Nische der Glückseligen? Der Text ist einerseits beeindruckend, andererseits frage ich mich, wieso der Autor das so gut beobachtend beschreibt und als „mächtiger Mann“ in seinem Bereich nichts unternimmt zu dieser Ungerechtigkeit innerhalb der Katholischen Kirche?! Gerade in solchen Positionen könnten Menschen doch MEHR als kritische Texte schreiben❓