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„Nützt ja nichts.“ Verweist gütig-empathische Klarheit auf Göttliches?

24. Oktober 2026

Nach liebvoller Zuwendung sieht das nicht unbedingt aus, oder doch? Ein goldenes Schwert in der Hand des ersten Bischofs in Würzburg: Burkhardus (um * 684; † 2. Februar 755) auf der Alten Mainbrücke.

Was bewegt Menschen dazu, großzügig zu sein? Warum können wir das Leid eines anderen mittragen? Was befähigt uns, einander zu verzeihen? Woher nehmen wir die Kraft zu einem Neubeginn? „Nützt ja nichts“ sagen wir manchmal ein wenig ernüchtert, indem wir annehmen, was ist und uns zugleich öffnen für das, was kommt. Was in nach einem schlichten Weiter-so klingt, hat doch Ungewöhnliches in sich.

Da gehen Misserfolg und Zuversicht ineinander über, aus Fehlern wird ein neues Lernen, Hilflosigkeit wandelt sich in Gestaltung – eins geht ins andere über. Und das kann sogar immer neu geschehen inmitten des alltäglichen sich Abmühens mit all der Besorgnis und auf all den Ab- und Irrwegen des Lebens. Da ist eine bewegende Kraft in uns, die Gegensätze vereint, sie verharrt nicht im Entweder-oder, sie öffnet sich für das Ganze als einem ineinander Verbundenen.

Bewegung der Liebe

Diese Kraft ist die Kraft des Herzens, es ist die Liebe. Wir versuchen sie in großer Dichtung und mitreißender Musik zu fassen, während sie ganz still inmitten des Gewöhnlichen daherkommt und uns schon im Kleinen bewegt, über den eigenen Tellerrand hinaus das Große und Ganze im Blick zu bewahren. „Wenn wir beginnen, unser Herz zu berühren oder es berühren zu lassen, entdecken wir, dass es ohne festen Boden ist, keine Absichten hat und dass es ungeheuer groß, weit und ohne Grenzen ist. Wir entdecken, wieviel Wärme, Zärtlichkeit und Raum es dort gibt. Die Welt erscheint uns dann nicht mehr so fest, sondern geräumiger und weiter.“ So schreibt die buddhistische Lehrerin Pema Chödrön in ihrem Buch „Beginne, wo du bist – Eine Anleitung zum mitfühlenden Leben“. Das ist die Bewegung der Liebe. Sie traut sich immer neu in das Trotz-alledem, sie würdigt, was ist, ohne zu verurteilen, sie wagt das Risiko jenseits des Berechnens. Es ist „die Einheit der Liebe, die nichts verachtet und die sich nirgends einschließt, die Einheit der Liebe, die das Kleine trägt und für das Große offenbleibt“, schrieb der Theologe und Mystiker Karl Rahner. In dieser Perspektive der Einheit kann ein liebendes Herz die Welt mit ihren Grenzen und in ihrer Zerrissenheit doch „als ein großes Gleichnis“ sehen. Und dieses Gleichnis könnte heißen: Es ist mehr mit uns anzufangen, als wir ahnen.

Mit anderen Menschen umgehen

Religiös betrachtet ist es die Gabe Gottes in uns, die unser Herz lieben lässt, denn Gott ist die Liebe. Im Sonntagsevangelium fragen die Pharisäer Jesus nach der wichtigsten Weisung der Bibel, und er antwortet: es ist die Liebe zu Gott und – ihr gleich – die Liebe zum Nächsten und zu sich selbst. Die Gleichsetzung von Gottes- und Nächstenliebe ist bedeutsam, ist in ihr doch jede noch so geringe liebevolle Zuwendung geheiligt. Das gilt sogar für jedes „Nützt ja nichts“ eines Menschen, der womöglich gar nicht an Gott glaubt. Denn wer das, was geschieht, annehmen kann als einen Aufruf, trotz alledem Freundlichkeit und Güte gelten zu lassen, verweist immer schon über sich hinaus auf etwas Größeres. Umgekehrt bedeutet es aber auch: wer dazu nicht bereit ist, wer andere und sich selbst bekämpft, wer Rache übt, und Gewalt anwendet, kann nicht behaupten, Gott zu lieben.

Göttliches Geschenk

So gilt die jesuanische Gleichsetzung von Gottes- und Nächstenliebe in erster Linie denen als Maßstab, die sich selbst als gottgläubig ansehen. Dies ist zu bemessen an ihrer Weise, mit anderen Menschen umzugehen, in biblischer Sicht besonders mit Fremden und Ausgegrenzten. Die große Weisung ist die Liebe – und sie erweist sich ganz alltäglich mit jedem kleinen Schritt. Das nimmt viel Druck. Wer denkt beim Liebesgebot nicht sofort an die große Verpflichtung, nur um zugleich an das eigene Versagen erinnert zu werden? Jesus aber sieht in der Liebe kein Gesetz, das Gute und Böse trennt, er sieht in ihr ein göttliches Geschenk im Herzen eines jeden Menschen. Es gilt bedingungslos und lädt ein, sich neu aufzumachen. Ist es nicht wunderbar, dass dieses sowohl Gott und dem Nächsten gegenüber wie auch in mir selbst gilt? Und das auch noch stets von Neuem!

Christoph Kunz | Matthäus 22, 34-40

 

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