“Zur Freiheit berufen” – bei diesem Thema zur Studientagung in Paderborn 2026 kann die evangelische Pfarrerin der JVA Hamm und des Justizvollzugskrankenhauses (JVK) Fröndenberg kaum anders: Sie hat den Luther mitgebracht. Und zwar zwei Sätze aus seiner Schrift: Von der Freiheit eines Christenmenschen. “Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.” “Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, auf dass ich möglichst viele gewinne.” (1. Korintherbrief 9, 1)

Eröffnung der Studientagung der Katholischen in Deutschland e.V. im Liborianum Paderborn: Der Musiker Markus Maurer, Thomas Klöter, Bereichsleiter Pastorale Dienste des Erzbistums Paderborn, Katja Grafweg, Leitende Ministerialrätin des Ministeriums der Justiz in NRW, Larissa Hachmann-Figgen, evangelische Gefängnisseelsorgerin, Yvonne Radetzki, Anstaltsleiterin JVA Neumünster und Vorsitzende der Bundesvereinigung der AnstaltsleiterInnen (bvaj) sowie Andreas Bär, Vorsitzender des Vereins. (v.l.n.r.)
Bemerkenswerte Freiheit im ökumenischen Miteinander
Niemandem untertan – im Vollzug klingt das erst einmal gewagt. Wir alle kennen die Vorschriften, die manchmal auch im übertragenen Sinne verschlossenen Türen im Gefängnis und die Grenzen unserer Möglichkeiten. Und doch steckt in diesen Sätzen etwas, das uns gemeinsam trägt: Die Freiheit, die der Glaube uns schenkt, beginnt damit, dass wir uns Gottes Liebe nicht verdienen müssen. Da ist eine Zuwendung, die allem vorausgeht, was wir tun. Das macht Innerlich frei, auf den Menschen neben mir zu schauen und zu fragen: Was braucht er? Was kann ich für ihn tun? Für unsere Arbeit heißt das auch: Ein Mensch ist immer mehr als seine Tat.
Gleichzeitig muss Schuld zur Sprache kommen können. Genauso wie ein neuer Anfang. Natürlich öffnet innere Freiheit keine verschlossene Haftraumtür. Wie einschneidend der Entzug äußerer Freiheit ist, erleben wir täglich. Gerade deshalb gehört zu unserem seelsorgerlichen Dienst, konkrete Freiräume zu suchen und für menschenwürdige Bedingungen einzutreten. Manchmal heißt das: zuhören. Manchmal: etwas möglich machen. Und manchmal-gerade auch in diesen Zeiten -widersprechen. Das ist nicht immer einfach und nicht immer von Erfolg gekrönt. Zugleich erleben wir eine bemerkenswerte Freiheit In unserem ökumenischen Miteinander.
Freiräume aufspüren und nutzen
Viele Menschen im Vollzug unterscheiden wenig zwischen evangelischer und katholischer Seelsorge. Wir sind für sie zunächst einmal: die Seelsorge. Die Kirche. Herr Pastor oder Frau Pfarrerin. Entscheidend ist, ob jemand kommt. zuhört und bleibt, wenn es schwierig wird. Mit meinem lieben katholischen Kollegen habe ich oft darüber gesprochen: Vielleicht haben wir ausgerechnet hinter Mauern manchmal mehr ökumenischen Freiraum als draußen. Unsere unterschiedlichen Traditionen bringen wir dabei mit. Und wir erfahren im gemeinsamen Alltag, wie viel uns verbindet: unser Glaube an Jesus Christus, die Hoffnung auf Versöhnung und der Auftrag. Menschen beizustehen.
Somit in aller Freiheit „Jedermann untertan” zu sein. Für mich wird darin etwas von Luthers beiden Sätzen lebendig: Wir sind frei, weil Christus uns trägt. Und gerade deshalb können wir uns anrühren und in Anspruch nehmen lassen. Von den Sorgen, den Fragen und der Hoffnung der Menschen hinter Gittern. Das verbindet uns über unsere Konfessionsgrenzen hinweg. Und diese Verbundenheit darf gern über die Mauern hinaus ausstrahlen. In diesem Sinne wünsche Ich euch gute Gespräche, neue Ideen und den Mut, Freiräume aufzuspüren und zu nutzen. Ebenso die innere und äußere Freiheit, eigene Grenzen auszusprechen und euch gegenseitig zu stärken. Danke für die ökumenische Verbundenheit und das Miteinander. Gottes Segen für diese Tage und unseren gemeinsamen Dienst!
Larissa Hachmann-Figgen | JVA Hamm und JVK Fröndenberg





