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Mit einem Bein im Knast. Bedienstete in Verdacht

Montag, 7. Jun. 2021 - Freitag, 11. Jun. 2021

GefängnisseelsorgerInnen arbeiten im Knast mit Menschen, die oft manipulierend auf die Person der MitarbeiterInnen im Vollzug einwirken. Kann der seelsorgerliche Dienst von Gefangenen wie Bediensteten für andere unterschwelligen Ziele ausgenutzt werden?  Welche “Fallen” von gegenseitigen Abhängigkeiten gibt es im Dienst und wie können sich SeelsorgerInnen und Bedienstete im Umfeld des Justizsystems schützen? Die Tagung der Arbeitsgemeinschaft Jugendvollzug will dies in Erfurt 2020 zum Thema machen.

Als Reaktionen auf den Freiheitsentzug und zur Bewältigung der mit der Inhaftierung verbundenen Lebenssituation existieren in den Justizvollzugsanstalten (JVAen) subkulturelle Gegenordnungen mit spezifischen Normen, einer gewissen Organisation und besonderen Gebräuchen. Die Subkulturen stellen Teilsysteme innerhalb des umfassenderen Gesamtsystems einer Anstalt dar. In ihnen können die einzelnen Gefangenen verbotene Mittel anwenden, unerlaubte Ziele verfolgen, die Erwartungen des offiziellen Vollzugsstabs hinsichtlich ihrer Person umgehen und dadurch eine gewisse Freiheit in Unfreiheit erlangen.

Vordergründig zeigt sich die Anstaltssubkultur etwa bei illegalen Kauf- und Tauschgeschäften in den Vollzugseinrichtungen. Dabei ist das Schwarzmarktgeschehen wiederum gekennzeichnet von subkulturellen Gegenleistungen (Übermittlung von Nachrichten, sexuelle Hingabe, Einschmuggeln verbotener Gegenstände), wobei das Eintreiben der illegalen Schulden von Gefangenen mit Nachdruck betrieben wird. Zu den offen erkennbaren Ausdrucksformen subkultureller Aktivitäten zählen ferner die knasttypischen Tätowierungen.

Die Anstaltssubkultur zeigt sich ferner im Sprachgebrauch der Strafgefangenen. Die Inhaftierten bilden eine rund um die Uhr in der Einrichtung anwesende, von der Außenwelt mehr oder weniger abgeschottete Sprachgemeinschaft. Diese pflegt mit der Knastsprache einen eigenen Wortschatz, wobei ihr auch eine Einheit stiftende Funktion im Sinne eines Zusammengehörigkeitsgefühls zukommt. Bezogen auf die Sicherheit und Ordnung in den JVAen liegen die eigentlichen Problemfelder jedoch vor allem in der Herausbildung von Rangordnungen in den Einrichtungen. Hinzu kommen Gruppenbildungen. Geprägt sind die Aktivitäten auf der subkulturellen Ebene zudem ganz wesentlich durch die vollzugliche Suchtproblematik.

Klaus Laubenthal bpb Beitrag  Lehrstuhl für Kriminologie und Strafrecht an der Universität Würzburg.

Erfurt 2020
Vertagt auf Mai 2021

In diesem Gefüge von offiziellen und inoffiziellen Regeln im System arbeiten GefängnisseeelsorgerInnen, Bedienstete und MitarbeiterInnen der Fachdienste. Sie alle können in die Gefahr kommen, benutzt und ausgenutzt zu werden und selbst „mit einem Bein im Knast“ zu sein. Der jeweilige Fall muss gesehen werden und doch geht es nicht alleine um Einzelfälle. Alle im Vollzug können betroffen sein. Es gibt daneben Fälle, bei denen Bedienstete und SeelsorgerInnen eindeutig Regeln verletzen, aus welchen Motiven auch immer. Da können menschliche Gründe ebenso eine Rolle spielen wie bestimmte Abhängigkeitsverhältnisse.

 

Details

Beginn:
Montag, 7. Jun. 2021
Ende:
Freitag, 11. Jun. 2021
Website:
https:/gefaengnisseelsorge.net/jugendvollzug

Veranstalter

Gefängnisseelsorge.kath
Telefon:
+49 (0)5952/207 - 201
E-Mail:
Website:
https://gefaengnisseelsorge.net

Veranstaltungsort

Erfurt – Priesterseminar
Holzheienstraße 15
Erfurt, Thüringen 99084 Deutschland
+ Google Karte
Telefon:
+49 361 59730
Website:
https://www.priesterseminar-erfurt.de


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