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Fachwoche: Alternativen zur Haft

Montag, 25. Nov. 2019 - Mittwoch, 27. Nov. 2019

In der Fachwelt ist es wenig umstritten, dass in Deutschland zu viel eingesperrt wird. Sanktionen für Bagatelldelikte stehen im Mittelpunkt der Kritik. Circa 80 % aller strafrechtlichen Urteile lauten auf Geldstrafe. Dies betrifft insbesondere Menschen, die über wenige Mittel verfügen. Wenn Verurteilte die Geldstrafe nicht bezahlen (können), wird Ersatzfreiheitsstrafe verhängt. So sind zu jedem Zeitpunkt weit über 4.000 Menschen inhaftiert, die eine Geldstrafe nicht bezahlen (können). Schätzungen zufolge werden pro Jahr 50.000 Menschen eingesperrt, obwohl das Gericht ein anderes Urteil ausgesprochen hat.

Aber auch die direkt ausgesprochenen Haftstrafen für Straftaten sind ihrer Wirkung nach in Frage zu stellen. „Bessert“ das Gefängnis die Menschen? Hilft das Gefängnis bei der Resozialisierung? Welche Funktion erfüllt überhaupt die Gefängnisstrafe in Bezug auf den Rest der Gesellschaft? Gibt es gute Alternativen? Könnten soziale Reaktionen hilfreicher sein als strafrechtliche Sanktionen?


Strafe, Versöhnung und Zivilgesellschaft – ein theologischer Zugang

Strafvollzug ist als gesellschaftspolitisches Thema kaum mehr wahrnehmbar. Heribert Prantl bemerkt in der Süddeutschen Zeitung, dass „die Debatten über Reformen, über Haftbedingungen, über die Behandlung von Drogenkranken in Haft, über Gewalt hinter Gittern, über Lockerungen, Entlassungsvorbereitung, Resozialisierung… zerkrümelt sind“. Als Gefängnisseelsorge bestätigen wir diese Feststellung, denn wir erleben, dass die gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen zwei Dekaden eine grundlegende Veränderung des Gefängnissystems mit sich gebracht haben.

Es soll der Frage nachgegangen werden, welche Wirkung das Gefängnis auf die unterschiedlichen Akteure – Geschädigte, Inhaftierte, Angehörige, Mitarbeitende und Seelsorgende hat. Theologische Grundlagen führen zur Formulierung einer Vision und leiten über zu alternativen Ansätzen innerhalb des Gefängnissystems und Argumentationen für Alternativen zur Haft für bestimmte Personengruppen.


Die neue Lust am Strafen – eine Kritik des Gefängnisses aus rechtsethischer Sicht

Inhaftierung in Gefängnissen ist die massivste Form staatlicher Sanktionierung bei Regelbrüchen. Sie trifft nicht alle Menschen mit gleicher Wahrscheinlichkeit, sondern ist sozial selektiv. In Haftanstalten finden sich vor allem Menschen, die selbst Armut und Gewalt erlebt haben. Das Gefängnis ist dementsprechend keine „neutrale“ Institution, sondern es reproduziert gesellschaftliche Ungleichheiten. Haftstrafe als Reaktion auf Regelbrüche will das geschehene Unrecht aufheben und zukünftige Straftaten verhindern.

Es ist jedoch empirisch wie auch gerechtigkeitstheoretisch fraglich, ob sie diese Ansprüche erfüllt – oder ob sie nicht vielmehr selbst an der Reproduktion von Ungerechtigkeiten beteiligt ist. Dieser Vortrag hinterfragt die Notwendigkeit von Haftstrafen aus einer rechtsethischen Perspektive und plädiert für einen transformativen, ganzheitlichen Umgang mit der Verletzung von Rechtsgütern.


Mit solchen und weiteren Fragen wollen wir uns aus theologischer, sozialwissenschaftlicher, politischer, ethischer und sozialarbeiterischer Perspektive beschäftigen. Als Vortragende haben bislang zugesagt: Ulli Schönrock, Prof. Dr. Franziska Dübgen, Dr. Andrea Kretschmann, Uta Cziczkus-Büttner, Nadine Haandrikman-Lampen, Hans-Dieter Amthor, Prof. Dr. Jörg Kinzig…

 

fachwoche_2019

 

Details

Beginn:
Montag, 25. Nov. 2019
Ende:
Mittwoch, 27. Nov. 2019

Veranstaltungsort

Mainz
Grebenstraße 24
Mainz, Rheinland-Pfalz 55116 Deutschland
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Telefon:
+49 6131 / 2570
Website:
http://www.ebh-mainz.de