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Charlie Chaplin als Gefangener

Eine besondere Premiere: Schwarz-weiß Filme ohne Ton – Charlie Chaplin als Gefangener – und beeindruckende Klavier- und Violinenklänge bekamen die Inhaftierten der hessischen Justizvollzugsanstalt Hünfeld im dortigen Mehrzweckraum zu sehen und zu hören. Eine ökumenische Stummfilmveranstaltung. 

 

An einem Donnerstagnachmittag organisierte die evangelische und katholische Gefängnisseelsorge, Pfarrer Dr. Andreas Leipold, Diakon Dr. Meins Coetsier und Praktikantin Johanna Scheich (zukünftige Gemeindereferentin), eine ökumenische Stummfilmveranstaltung. Als Kirche hinter Gittern versucht die Seelsorge kontemplative Elemente auf unterschiedlicher Weise in den Haftalltag zu integrieren.

Die Inspiration, das Gefängnis für einen Moment in ein Kino zu verwandeln, kam von Dr. Leipold, nachdem er den Berufsmusikern Gunthard Stephan und Tobias Rank in einem Urlaub zufällig begegnet ist. Auch der Anstaltsleiter der JVA Hünfeld, Leitender Regierungsdirektor Lars Streiberger, war von der Idee angetan. Die talentierten Künstler touren in den Sommermonaten durch Deutschland, Schweden und die Slowakei, um Stummfilme aus der gesamten Zeitspanne dieser Kunstform (ca. 1895 – 1930) zu zeigen. Sie zeigten sich erfreut, zum ersten Mal in einer JVA auftreten und mit ihrem alten Feuerwehrauto an der Pforte vorfahren zu dürfen.

Die Künstler Stephan und Rank kreieren zu bewegten und bewegenden stummen Bildern lebendige Töne und farbige Klänge auf dem Klavier und der Violine. Beim Betreten des mit Leinwand, Projektor und Filmbändern ausgestatteten Raumes war eine große Vorfreude der Inhaftierten zu spüren. Die 20 Teilnehmer schauten aufmerksam die drei Kurzfilme an und waren von der Musik gerührt. Vor allem der humorvolle Charlie Chaplin – Film „The Adventurer“, der von einem sehr speziellen „Abenteurer“ mit Hafterfahrung handelte, erweckte große Begeisterung bei den Gefangenen und dabei wurde herzhaft gelacht.

Anschließend gab es die Möglichkeit für einen Austausch zwischen den Inhaftierten, den Musikern und den Seelsorgern. Auch hier zeigten sich alle Kinobesucher sehr dankbar und erfreut über diesen besonderen Nachmittag in ihrem „Knastkino“.

 

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