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Gefängnisseelsorgerin Schwester Petra Pfaller aus Brasilien, die zur Zeit auf Heimaturlaub in Deutschland ist, besuchte zusammen mit Vera Lúcia Dal Zotto, einer brasilianischen Kollegin, die JVA Würzburg. Schwester Petra nutzt ihren Urlaub, um u.a. mit Adveniat und Misereor die Weiterführung von Projekten für die Gefängnisseelsorge in Brasilien sicherzustellen und um durch Interviews auf die schwierige und teilweise skandalöse Situation in den brasilianischen Gefängnissen aufmerksam zu machen. In der JVA Würzburg traf sie sich mit Doris Schäfer, der Leiterin der Arbeitsgemeinschaft „International“ der Katholischen Gefängnisseelsorge in Deutschland e.V.

Schwester Petra, Sie sind Rechtsanwältin und Ihre Kollegin Vera ist Friseurin. Reicht Ihnen die Arbeit im Gefängnis nicht, dass Sie sich noch einen Nebenjob gesucht haben?

Sr. Petra: Oh, die Arbeit ist mehr als genug, daran liegt es nicht. Leider sind wir GefängnisseelsorgerInnen in Brasilien nur ehrenamtlich tätig. Wir brauchen also einen Job, von dem wir uns ernähren können. Einige von uns sind Ordensleute wie ich, wir können also von unseren Orden „durchgefüttert“ werden, auch wenn mein Orden, die Missionarinnen Christi, in Brasilien auch nur von Spenden lebt. Ich selbst habe in Brasilien Jura studiert, nicht um von dieser Tätigkeit leben zu können, sondern weil es ganz wichtig ist, die rechtlichen Grundlagen zu kennen. Außerdem gibt es nur ganz wenige Pflichtverteidiger, sodass viele Inhaftierte nicht verteidigt werden. In manchen Fällen kann ich da behilflich sein. In der brasilianischen Situation sehe ich das sogar als Teil meines Seelsorgeauftrages: Wie kann ich z.B. einer inhaftierten Frau sagen: Gott liebt dich – aber verteidigen musst du dich schon selbst?

Was sind die wichtigsten Aufgaben der Gefängnisseelsorge in Brasilien?

Sr. Petra: Natürlich sind das die Besuche bei den Gefangenen, um ihnen zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind, und ihnen die Möglichkeit zu geben, über ihre Probleme und Anliegen mit jemandem zu sprechen. Den Ärmsten der Armen die Liebe Gottes vermitteln, Trost zusprechen, Hoffnung vermitteln, Kontakt zu den Angehörigen herstellen. Auch die religiöse Begleitung durch Gebete, Gottesdienste, Bibelgesprächskreise… ist wichtig. Aber in Brasilien gibt es noch einen anderen, sehr wichtigen Aspekt: den Einsatz für die Menschenrechte.

Diese werden so oft mit Füßen getreten und wir wollen darauf hinweisen, wollen es öffentlich machen, um eine Veränderung herbeizuführen. Deswegen sind wir katholischen Gefängnisseelsorger von der Gefängnisverwaltung oft nicht gerne gesehen. Es kommt immer wieder mal vor, dass uns der Einlass verwehrt wird. Dann wissen wir schon, dass jemand geschlagen wurde oder etwas anderes passiert ist, das vertuscht werden soll. Die Freikirchen gehen auch in die Gefängnisse. Sie versuchen so das System Gefängnis etwas erträglicher und angenehmer zu machen. Aber sie interessieren sich nicht für Menschenrechtsarbeit.

Welche Ziele verfolgt die katholische Gefängnisseelsorge?

Sr. Petra: Auf der einen Seite kämpfen wir für menschenwürdige Bedingungen in den Gefängnissen insbesondere für die Frauen, aber wir haben vor allem einen ganz starken Traum, wie es der Lateinamerikanische Bischofsrat (CELAM) in einem Dokument formuliert hat: „Gottes Traum! Ein Kontinent ohne Gefängnisse“. Eine Welt ohne Gefängnis ist möglich! Es lohnt sich dafür zu kämpfen!

Wie sicher sind Sie als katholische Gefängnisseelsorgerin? Müssen Sie nicht befürchten, irgendwann mundtot gemacht zu werden?

Sr. Petra: Naja, man weiß natürlich nie… Unser Schutz ist die Öffentlichkeitsarbeit. Adveniat und Misereor haben in Deutschland ein Auge auf die Situation. Das weiß man auch in Brasilien. Wenn ich auf Heimatbesuch bin, versuche ich Interviews zu geben, um eine größere Öffentlichkeit herzustellen. Dies hilft uns sehr vor Ort.

 
 

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