In meinem Freundeskreis höre ich häufig den Satz “Ich bin jetzt endlich aus der Kirche ausgetreten”. Ich werde diesen Satz nicht sagen. Ich werde nicht austreten. Ich bin gegen Homophobie, gegen das Zölibat, gegen das katholische Frauenbild und glaube quasi nicht an Gott. Ich stellte schon als Jugendliche bei einer Gemeindefahrt nach Rom fest, dass ich bei Gebeten nichts empfinde, die Emotionen von Gläubigen irritierten mich sogar. Trotzdem bleibe ich in der Kirche. 

Die katholische Kirche wird zu Recht massiv kritisiert. Trotzdem gibt es Gründe für mich, für die es sich lohnt, die Kirchensteuer zu bezahlen. In Deutschland engagieren sich nach Schätzungen der evangelischen Kirche und der deutschen Bischofskonferenz etwa 1,7 Millionen Menschen ehrenamtlich für und in kirchlichen Gemeinden und Institutionen. Viele von ihnen betreuen sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche. Berufstätige Eltern müssen ihre Kinder in den Ferien nicht unbeaufsichtigt lassen, weil Kirchenmitglieder mit ihnen auf Jugendfreizeiten fahren oder Pfadfindergruppen leiten.
 
Diese Menschen sind in der Regel nicht pädophil oder wollen ihre Machtposition gegenüber Kindern ausnutzen. Sie sind durch ihren Glauben motiviert. Sie leben christliche Nächstenliebe. Meine Mitgliedschaft ist meine Art, “Danke” zu sagen für die Zeit, die andere opfern. Einen Großteil meiner Steuer gibt die Kirche für Gottesdienste aus. Das ist für mich okay, weil diese Menschen, die Gutes tun, aus dem Kirchgang Kraft schöpfen. Mehr lesen…

Carola Tunk