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16. Dezember 2025

Gefängnisseelsorge

Viel Spaß bei der Gefängnisseelsorge!

Guten Tag,

"Kann ich Herrn N. mit zum Gespräch nehmen?", frage ich den Kollegen des Allgemeinen Vollzugsdienstes. "Klar, keine Frage, das ist kein Problem", sagt dieser. Ich nehme den Gefangenenausweis aus der Stecktafel heraus und gehe an dessen Haftraum-Tür. Klopfen und kurz warten. Dann schließe ich mit einem großen Schlüssel auf. Der Jugendliche liegt im Bett, der Vorhang zugezogen, es ist dunkel. Die Decke anhebend zeigt sich ein verschlafenes Gesicht. "Willst Du mitkommen zum Gespräch?", frage ich sachte. "KLar, keine Frage, stehe sofort auf", entgegenet dieser. Die Haftraumtür lehne ich an und warte.

"Mit der Tür ins Haus fallen."
Die SchlüsselträgerInnen im Vollzug landen sofort im "Schlafzimmer", wenn sie die Haftraumtüre aufschließen. Daher gilt es zu warten. Das kann schon ein paar Minuten dauern. Ein wenig Wasser ins Gesicht, Toilettengang und eine Jeans sowie feste Schuhe anziehen. Manche kommen mit den Schuhen in der Hand raus und ziehen sich diese im Gang an. Geht es so schneller? Ich denke nicht. Nach einer gefühlten Stunde Wartezeit gehen wir am Dienstzimmer vorbei in den "Spiegel", die Zentrale des 145 Jahre alten Gefängnisses. "Viel Spaß, ruft uns der Bedienstete hinterher."

Viel Spaß?
Warum drückt der Kollege das so aus? Bin ich als Gefängnisseelsorger ein Animator mit Spaßfaktor? Ob es den Inhaftierten tatsächlich so viel Vergnügen bereitet, mit dem Gefängnisseelsorger zu sprechen? Oft ist es doch eine ernste Angelegenheit... Vielleicht meinen die KollegInnen, dass es bei der Gefängnisseelsorge mehr Freiraum gibt und deshalb wünschen sie viel Spaß. "Den werden wir nicht unbedingt haben", will ich entgegnen. Doch ich lasse es lieber. Der jugendliche Inhaftierte geht freiwllig mit. Zu einem Kaffee und einem netten Plausch würde ich auch mitgehen wollen. Doch das Bild stimmt nicht so ganz. Die seelsorgerlichen Gespräche sind alles andere als ein Kaffeekränzchen, eher ist es oftmals harte Arbeit. GefängnisseelsorgerInnen sind ein Gegenüber, sie hören zu, geben Rückmeldung und halten so manche schwierige Situation mit aus. Da gibt es keine fertigen Antworten.
Genauso wenig wie die Weihnachtsgeschichte klare Lösungen für das heutige Leben vorschlagen kann. Doch Göttlichkeit drückt sich im Menschen aus. Und das ist ein unfassbar grosses Geschenk.

Michael King

AndersOrt + Website
Gefängnisseelsorger JVA Herford
"Die Liebe befreite sich aus den göttlichen Gesetzen himmelreiner Ordnungen, fürchtete nicht das Exil und sucht eine Bleibe in der brüchigen Heimat MENSCH. Hier lebt sie, uns aus dem Gesicht geschnitten".
Wilhelm Bruners. In: Das Gespräch mit den Engeln
Ökumenische Tagung von Gefängnisseelsorgenden auf der Huysburg

Ökumenische Tagung von Gefängnisseelsorgenden auf der Huysburg

GefängnisseelsorgerInnen aus den Bistümern Magdeburg und Erfurt sowie aus der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) trafen sich zur gemeinsamen Jahrestagung im Benediktiner-Kloster Huysburg bei Halberstadt in Sachsen-Anhalt. Im Mittelpunkt der Tagung standen die aktuelle Herausforderungen im Justizvollzug. Veränderte Bedingungen Diskutiert wurden neue Entwicklungen in den Anstalten, die Auswirkungen des Personalmangels sowie die Frage, wie unter diesen Bedingungen Seelsorge weiterhin verlässlich …

👓 Ökumene, Politik, Regional

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Knigge-Seminar in JVA: Verhalten bei Unsicherheit mit Missgeschicken

Knigge-Seminar in JVA: Verhalten bei Unsicherheit mit Missgeschicken

"Was habe ich falsch gemacht bei meiner Vorstellung?" - so begann Marc Nelson, Knigge-Trainer aus Hamburg, seinen dreistündigen Workshop in der JVA Bochum und tags darauf in der JVA Duisburg. Schnell hatten die Inhaftierten mit einem scheuen Lachen angemerkt: "Dein Hosenträger guckt raus!" und "Dein Hosenschlitz ist offen!". Aber seine lauten Worte und sein zu Nahekommen mit "Nelson! Marc!" musste …

👓 Haftalltag, Regional, Vorbilder

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Bibel "queer": Räume öffnen für Menschen, die sich nicht gesehen fühlen

Bibel "queer": Räume öffnen für Menschen, die sich nicht gesehen fühlen

Die Bibel "queer" zu lesen sei "brisant" und "polarisierend", räumt selbst das Katholische Bibelwerk mit Sitz in Stuttgart ein. Doch die Heilige Schrift soll unvoreingenommen nicht als Normensystem gelesen werden. Es gehe nicht darum, "moderne Identitäten in alte Texte hineinzulesen", so ein Sprecher. Es geht um die Frage, "welche Formen von Liebe, Körperlichkeit und Zugehörigkeit die Bibel erzählt – und …

👓 Gender Diversität, Rezension

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Ingeborg-Drewitz Literaturpreis: Ausschreibung für 2026

Ingeborg-Drewitz Literaturpreis: Ausschreibung für 2026

Durch die Unterstützung des Ingeborg-Drewitz-Literaturpreises für Gefangene sollen inhaftierte Menschen motiviert werden, ihre Situation literarisch zu verarbeiten. Den Texten von Gefangenen können damit Öffentlichkeit verschafft und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Strafvollzug gefördert werden. Die Trägergruppen des Preises möchten den unermüdlichen Einsatz und die hohen Verdienste der Schriftstellerin Ingeborg Drewitz (1923-1986), die sie in der Straffälligenarbeit erworben hat, würdigen und …

👓 Inhaftierte, Literatur

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Ehemalige Häftlinge des Zuchthauses Herford im KZ Dachau

Ehemalige Häftlinge des Zuchthauses Herford im KZ Dachau

Das Zuchthaus Herford und seine Häftlinge 1934-1939 (Folge 37). Strafhäftlinge konnten im „Dritten Reich” nicht unbedingt davon ausgehen, dass sie nach restloser Strafverbüßung tatsächlich nach Hause entlassen wurden. Karl Schabrod stellte 1969 in seiner Untersuchung über den antifaschistischen Widerstand an Rhein und Ruhr unter anderem fest, dass die Verurteilten „nur noch in seltenen Fällen nach der Strafverbüßung auf freien Fuß …

👓 Geschichte

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Erinnerungsort an die erschütternde Amokfahrt 2020 in der Stadt Trier

Erinnerungsort an die erschütternde Amokfahrt 2020 in der Stadt Trier

Eine dicke Kerze steht im Bereich der vielen kleinen Kerzen in einer Ecke des Trier Doms. Sie brennt wie das „ewige Licht“ dauerhaft. Die Kerze und die angebrachten Tonfiguren dahinter erinnern an die Amokfahrt in der Stadt 2020. Weihbischof Jörg Michael Peters erzählt an diesem Erinnerungsort den GefängnisseelsorgerInnen, die im Jugendvollzug arbeiten, den Hintergrund. Bei der Amokfahrt am 1. …

👓 Geschädigte, Regional

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JVA Heidering: „Ich arbeite in der Justizvollzugsanstalt als Seelsorgerin“

JVA Heidering: „Ich arbeite in der Justizvollzugsanstalt als Seelsorgerin“

"Gelassen einschlafen", so lautet eine Reihe des Radio rbb um 21:58 Uhr. Dazu gibt es in einen täglichen "Abendsegen" eine Art Meditation, die mit einem Segenswort endet. Gefängnisseelsorgerin Christina Brath, die in der Justizvollzugsanstalt Heidering bei Berlin arbeitet, hat eine Woche die Staffel der abendlichen Sendungen übernommen. Sie erzählt als Seelsorgerin in einer Justizvollzugsanstalt. Robin Ich arbeite in einer Justizvollzugsanstalt …

👓 Bedienstete, Inhaftierte, Porträt

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Migration als Ressource, die biografisch und gesellschaftlich wirksam ist

Migration als Ressource, die biografisch und gesellschaftlich wirksam ist

"Und raus bist Du. Migration und Delinquenz", so lautet der provokante Titel zur Studientagung der Arbeitsgemeinschaft Jugendvollzug. 17 GefängnisseelsorgerInnen aus dem Bundesgebiet treffen sich im Jugend- & Gästehaus des Bistum Trier. Sie stellen sich eine Woche den vielfältigen und komplexen Aspekten von Migrationsgeschichten und möglicher Inhaftierung von jungen Menschen. Beides hat nicht unbedingt miteinander zu tun. Migration und Straftaten dürfen …

👓 Jugendvollzug, Migration

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Es machen sich Ängste breit, wohin die Reise gehen wird…

Es machen sich Ängste breit, wohin die Reise gehen wird…

Eisenbahngleichnis Wir sitzen alle im gleichen Zug und reisen quer durch die Zeit. Wir sehen hinaus. Wir sahen genug. Wir fahren alle im gleichen Zug. Und keiner weiß, wie weit. Ein Nachbar schläft, ein anderer klagt, ein dritter redet viel. Stationen werden angesagt. Der Zug, der durch die Jahre jagt, kommt niemals an sein Ziel. Wir packen aus, wir packen …

👓 Gesellschaft, Literatur, Philosophie

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Sexueller Missbrauch: T-Shirts verdecken den Blick in die Trierer Jesuitenkirche

Sexueller Missbrauch: T-Shirts verdecken den Blick in die Trierer Jesuitenkirche

Die Seminarkirche des Priesterseminars in Trier war von 1570 bis 1773 Kirche des Jesuitenordens. An diesem Ort der dreischiffigen gotischen Hallenkirche versperrt zurzeit am Eingang eine Art Garderobe aus weißen T-Shirts den Weg in die Kirche. Schnell wird klar, es geht um den Sexuellen Missbrauch in Kirche und Gesellschaft. Die T-Shirts verdecken den uneingeschränkten Blick in die Dreifaligkeitskirche. Kinderschutzexperten aus …

👓 International, Kunst, Sexueller Missbrauch

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JVA Heinsberg: "Der Jugendknast ist keine Lösung für Zwölfjährige"

JVA Heinsberg: "Der Jugendknast ist keine Lösung für Zwölfjährige"

Der Leiter der JVA Heinsberg im Jugendvollzug, Jochen Käbisch, ist gegen eine Herabsetzung der Strafmündigkeit. Bereits 14-Jährige sind inhaftiert. Viele erleben hinter Gittern zum ersten Mal eine richtige Tagesstruktur. Jochen Käbisch hat die Debatte über die immer wieder neu aufkommende Forderung nach einer Senkung des Alters zur Strafmündigkeit auf 12 Jahre mitkommen. In Dormagen wird der 14-jährige Yosef von einem …

👓 Jugendvollzug

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Die Publikation "AndersOrt" der Gefängnisseelsorge wird 15 Jahre alt

Die Publikation "AndersOrt" der Gefängnisseelsorge wird 15 Jahre alt

In der Geschichte der Gefängnisseelsorge gab es schon früh Publikationen. Bereits 1925 wurde die Pastoralinstruktion vom Fürstenbischof Kardinal Bertram in Breslau für die Vereinigung der katholischen Strafanstaltsgeistlichen auf dem Gebiet von Preußen veröffentlicht. In den 1980 er Jahren ist eine Bundesstelle der Gefängnisseelsorge in Fulda eingerichtet worden. Die Personalkörperschaft von Tätigen in der Gefängnisseelsorge hat sich 2017 zu einem gemeinnützigen …

👓 Geschichte, Kommentar, Medien

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Spuren hinterlassen: "Was wollen Sie? Meinen Fingerabdruck?"

Spuren hinterlassen: "Was wollen Sie? Meinen Fingerabdruck?"

Erstaunt und vielleicht innerlich amüsiert äußert sich ein Inhaftierter im Ostergottesdienst der rheinland-pfälzischen Justizvollzugsanstalt Rohrbach, als der Gefängnisseelsorger dazu einlädt, die Osterkerze mit dem eigenen Fingerabdruck auf einem Wachsplättchen zu verschönern. Keine Spuren hinterlassen Das Hinterlassen des eigenen individuellen Fingerabdrucks hat nicht bei wenigen der einsitzenden Menschen zu ihrer Inhaftierung geführt. Die eigenen Spuren zu hinterlassen - theologisch eine durchaus …

👓 Spiritualität, Theologie

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Sterben im Strafvollzug: Erforschung eines kaum bekannten Themas

Sterben im Strafvollzug: Erforschung eines kaum bekannten Themas

Die Studie mit dem Namen ARREST soll die palliativmedizinische Versorgung Inhaftierter abbilden und mögliche Defizite und Potenziale aufdecken. Eine schwere unheilbare Erkrankung kann einen Menschen in jeder Lebenssituation treffen – auch während einer Haftstrafe oder einer Sicherungsverwahrung. In Deutschland werden sterbende Inhaftierte in der Regel vorzeitig entlassen, wenn dadurch die öffentliche Sicherheit nicht gefährdet wird. Es gibt jedoch Menschen, die …

👓 Lebensältere, Sterben

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Eine Haltung: Aufrichten - nicht richten. Retten - nicht strafen

Eine Haltung: Aufrichten - nicht richten. Retten - nicht strafen

Ein Jugendrichter in Halle an der Saale, sagte bei einer Diskussion, er wolle junge Menschen nicht richten, sondern aufrichten. Er hat bei verschiedenen Urteilen so manch ungewöhnliche Strafe ausgesprochen, die Konsequenzen aufzeigen. Ein Urteil zu fällen ist nicht einfach und doch hatte der Jugendrichter stets noch etwas anderes im Blick: die Würde und eine mögliche Wiedergutmachung. Theologisch ist das mit …

👓 Straftheorie, Theologie

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