Zettel als Bitte: Ehemaliger Inhaftierter auf der Straße. Foto: Bernd Maelicke
Zettel

Dank-Zettel trotz mancher Lebenserfahrung

03. Januar 2022

Sehr geehrte/r LeserIn,

das Berufsleben zieht vorüber. Es scheint, als geschähe es "Plötzlich", die Sache mit dem Ruhestand und kann es nicht fassen. Was für ein merkwürdiges Wort: Ruhe-Stand. Nach der Erwerbsarbeit ruht weder die Zeit noch steht sie still. Ich frage mich, warum in Kirche und Politik vor allem die Männer einfach weiterarbeiten dürfen. Der Papst ist 85 Jahre alt geworden. Friedrich Merz ist als neu gewählter Vorsitzender der CDU bereits über dem Rentenalter. Oder muss er nur noch bis 67? Das Leben mit all dem Erlebten hinterlässt Spuren. Egal wie alt man ist, immer wieder ist der Moment des Dankes ein Schlüsselerlebnis. Petrus Ceelen macht das so. Im Angesichts des Todes sieht er manches anders oder intensiver. Es gibt immer wieder etwas, über das man sich aufregen könnte. So ganz anders schaffen wir das selten.

"Wenn ich dann mal aus dem Knast raus bin" werde ich leben. Dann wird alles anders. Mag sein, aber das Leben beginnt Jetzt. Nicht, wenn ich an der Schleuse stehe oder im "Ruhestand" bin. Die Augenblicke sind wichtig und die Zuversicht, dass das Leben noch vieles bereit hält. Trotz vieler Widrigkeiten und abgründigen Lebenserfahrungen. "Wer denkt, dankt", sagt Ceelen. Kann man dies angesichts der gefühlt immerwährenden Corona-Krise sagen? Salbungsvolle Worte helfen nicht weiter. Die Kostbarkeit des Lebens wächst auch aus den Verwundungen neu, sagt Hildegund Keul von der Vulnerabilitätsforschung.



Ein gutes Neues Jahr 2022 wünschen wir Ihnen und Euch.

Michael King

Gefängnisseelsorger JVA Herford
Redakteur Website + AndersOrt
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